PRESSEINFORMATION
Gen-Mais: Pioneer-Antrag strotzt vor Fehlern. GLOBAL 2000-Analyse: "Nicht genügend, setzen."
"Pioneer will laut Antrag Bakterien freisetzen und Gen-Mais eliminieren."
Wien (15. Januar 1998). Mit einem glatten "Nicht genügend" muß nach Ansicht von GLOBAL 2000 der von der Firma Pioneer eingebrachte Antrag auf Freisetzung von genmanipuliertem Mais bewertet werden. "Der Antrag strotzt nur gerade so von Fehlern und unbeantworteten Fragen", so GLOBAL 2000-Gentechnik-Expertin Ulli Sima nach der Analyse des Pioneer-Antrags. "Die beiden Fragebögen, die jeder Antragsteller laut EU-Richtlinie und dem österreichischem Gentechnik-Gesetz ausfüllen muß, scheinen Pioneer restlos überfordert zu haben."
So wurde etwa auf Seite 200 auf die Frage nach der Art des gentechnisch veränderten Organismus, den Pioneer freisetzen will, "Bakterium" angegeben. Die richtige Antwort wäre "Pflanze/Mais". Auf die Frage, welcher Schädling durch den Gen-Mais eliminiert werden sollte, wird mit "Mais" geantwortet. "Die korrekte Anwort müsste selbstverständlich "Maiszünsler" lauten, gegen den der Mais durch gentechnische Veränderung immun gemacht wurde", so Sima.
"Vermutlich verfügt Pioneer nicht über ausgebildetes Fachpersonal, das in der Lage ist, einen Freisetzungsantrag korrekt auszufüllen. Es ist unverantwortlich, eine derart brisante Materie Laien zu überlassen und wirft ein bezeichnendes Licht darauf, wie unverantwortlich Pioneer mit der heiklen Materie Freisetzungen umgeht", so GLOBAL 2000-Expertin Sima.
Unter dem Kapitel "Wechselwirkungen mit der Umwelt" wird im Antrag dieFrage gestellt, ob außer dem Zielorganismus auch noch andere Lebewesen durch den Bt-Wirkstoff des Gentech-Mais betroffen sind. Der Antragsteller antwortet mit "Nein". "Dabei ist seit längerem bekannt, daß der Bt-Mais neben dem Schädling Maiszünsler auch Nutzinsekten wie Florfliegen oder Marienkäfer den Garaus macht", so Sima.
Die Frage nach dem Elternorganismus, aus dem der Gentech-Mais stammt, wird mit "Bakterium, Bacillus Thurengiensis" beantwortet. Die richtige Antwort lautet"Mais". "Das Bt-Bakterium ist der sogenannte Spender (der Fremd-Gene), während der Mais als Empfänger bezeichnet wird", so Sima.
Die technische Frage, ob zur gentechnischen Veränderung ein Vektor - eine Art Transportvehikel für Gene - verwendet wurde, wird ebenfalls mit "Nein" beantwortet. Befremdlich erscheint, daß wenige Seiten später ein verwendeter Vektor graphisch dargestellt wird. "Abgesehen davon wird bei jeder gentechnischen Veränderung früher oder später ein Vektor verwendet", so Sima.
"Auch der Rest des Antrags wird sehr schlampig beantwortet", so GLOBAL 2000-Expertin Sima. "Von 103 Fragen - Unterfragen eingerechnet -wird 53 Mal die Antwort "siehe Anhang 1" gegeben. Doch in Anhang 1 finden sich nicht sämtliche Antworten auf die offenen 53 Fragen, obwohl dieser wenigstens einige stichhaltige Informationen enthält."
In Anhang 1 wird Prof. Schwab als Sicherheitsbeauftragter für den Freisetzungsversuch genannt. Dieser beeilte sich via Presseaussendung mitzuteilen, daß Pioneer ihn ohne sein Wissen im Antrag genannt hatte.
"Alles in allem zeugt dieser Antrag davon, daß der Antragsteller nicht wirklich wissen dürfte, wovon eigentlich die Rede ist. Für jeden, der sich etwas näher mit der Thematik beschäftigt hat, ist es sehr einfach, diesen Fragebogen auszufüllen. Wenn Pioneer schon im theoretischen Teil - dem Antrag - versagt, lässt sich nur erahnen, wie unverantwortlich der praktische Teil - die Gen-Freisetzung - bewältigt wird", warnt GLOBAL 2000-Expertin Sima abschließend.
Weitere Informationen: GLOBAL 2000, Ulli Sima, Anita Voraberger
Telefon: +43/1/812 57 30-0 oder 0664/131 66 99
Date: Thu, 15 Jan 98 10:56:43 +0100
From: GLOBAL 2000 <global2000@t0.or.at>