PRESSEMITTEILUNG
NR. 0068/98 der
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
Datum: 28.01.98
Wachsende
Sicherheitslücken in der Gentechnik
Zu den Plänen der
Bundesregierung, Gentechnik weitgehend von den
Sicherheitsauflagen zu befreien, und zur Antwort auf unsere
Kleine Anfrage zur "Erforschung der Überlebensfähigkeit
transgener Mikroorganismen" erklärt der
forschungspolitische Sprecher Dr. Manuel Kiper:
Trotz wachsender
Erkenntnisse über Sicherheitslücken der Gentechnik will die
Bundesregierung die Sicherheitsvorkehrungen weiter absenken und
den Großteil gentechnischer Arbeiten zukünftig ohne
Sicherheitsauflagen erlauben: Die Sicherheitsstufe S 1 soll
künftig ganz aus dem Gentechnikgesetz gestrichen werden. Die
Bundesregierung bestreitet "systemische Mängel" in den
Sicherheitsvorkehrungen, weiß nur von einer einzigen ungewollten
Freisetzung manipulierter Mikroorganismen und hält "das
verfügbare Wissen für den sicheren Umgang mit gentechnisch
veränderten Mikroorganismen" für ausreichend.
- Das Gesundheitswesen
wird bedroht durch Antibiotikaresistenzen gefährlicher
Mikroorganismen. Die Resistenzgene werden auch bei
manipulierten Bakterien in Forschung und Produktion als
Hilfs-Gene eingesetzt. Die
Gentechnik-Sicherheitsverordnung erlaubt bereits seit
1995, einzelne gering belastete Abfälle und Abwässer
aus solchen Arbeiten ohne Abtöten der Mikroorganismen in
die Umwelt zu entlassen. Zukünftig will die
Bundesregierung bei den meisten gentechnischen
Manipulationen auf eine Keimabtötung in Abfällen und
Abwässern ganz verzichten. Antibiotikaresistenzgene
können also aus dem Genlabor entweichen und zusammen mit
resistenten Stämmen aus der Tierhaltung
Antibiotikaresistenzen auf Krankheitserreger von Mensch
und Tier übertragen.
- Genmanipulierte
Mikroorganismen überleben nicht nur in der Umwelt, in
Einzelfällen ist inzwischen deutlich geworden, daß sie
sich auch vermehren und ausbreiten können.
- In den letzten
Jahren neu aufgetauchte Krankheitserreger für den
Menschen beruhen offensichtlich auf der Übertragung
gefährlicher Gene einzelner pathogener Erreger auf
bisher harmlose Bakterien - Übertragungen, wie sie auch
zu experimentellen Zwecken in Genlabors vorgenommen
wurden. Die Bundesregierung hält die Abschirmung für
ausreichend.
- Die Bundesregierung
hat kein Interesse an einem systematischen Monitoring
hinsichtlich des Austretens manipulierter Mikroorganismen
aus Genlabors.
Die Sorglosigkeit und das
Desinteresse der Bundesregierung hinsichtlich biologischer
Sicherheit sind verantwortungslos.
Bundestagsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen
Pressestelle
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