Greenpeace
Pressemitteilung vom 20.2.1998
Verdacht auf illegalen Import von genmanipuliertem Mais
Hamburg, 20. 2. 1998. Greenpeace präsentiert heute Untersuchungen, die den Verdacht auf möglicherweise illegale Importe von genmanipuliertem Mais nach Deutschland erhärten. Untersuchungen im Auftrag der Umweltorganisation ergaben, daß sich in Maisfutterlieferungen aus den USA entgegen bisherigen Behördenangaben doch keimfähige Maiskörner befinden, die gentechnisch verändert sein können. Damit können illegale Gentech-Maispflanzen unkontrolliert auf die Äcker gelangen. Greenpeace fordert die zuständigen Bundes- und Landesbehörden auf, unverzüglich gründliche Kontrollen durchzuführen und bis auf weiteres die Auslieferung von Maisprodukten aus den USA zu unterbinden.
In den USA werden mindestens fünf gentechnisch veränderte Maissorten angebaut, die in der Europäischen Union noch nicht zugelassen sind. Diese Sorten werden mit herkömmlichem Mais vermischt und können so ungehindert nach Europa gelangen, vor allem in Form von sogenanntem Maiskleber, der als Tierfutter verwendet wird. Die deutsche Bundesregierung hat bislang keine Maßnahmen gegen den Import von Maiskleber ergriffen. Bisherige Begründung: Selbst wenn die Ladung teilweise aus nicht zugelassenem, gentechnisch veränderten Mais bestehe, enthalte Maiskleber als Verarbeitungsprodukt keine keimfähigen Körner mehr und sei damit nicht zulassungspflichtig.
Das Gegenteil ist der Fall. Greenpeace hat am 6. Februar in Amsterdam eine Probe von dem Frachter "Finix" genommen, der 15.000 Tonnen Maiskleber aus den USA an Bord hatte. Das Bremer Untersuchungsinstitut "Hanse Analytik" konnte schon in dieser einen Stichprobe intakte Maiskörner nachweisen, die im Labortest auskeimten und sich damit als lebensfähig erwiesen haben. Damit ist eindeutig belegt, daß auch Maiskleber unter die Gentechnikgesetzgebung fällt und bei der Einfuhr nach Deutschland auf illegale Maissorten untersucht werden muß. Die Bundesrepublik importiert pro Jahr bis zu 1 Million Tonnen Maiskleber aus den USA. Von der US-amerikanischen Mais-Ernte (1997: 229 Millionen t) bestehen 9 Prozent (= 20,6 Mio. t) mittlerweile aus gentechnisch verändertem Mais. Die im Maiskleber enthaltenen keimfähigen Körner können bei der Verfütterung des Tierfutters leicht auf die Ackerböden gelangen und auskeimen. "Mit den Futtermitteln gelangt möglicherweise illegaler Mais auf tausende von Bauernhöfen in Deutschland. Hier findet eine massenhafte ungenehmigte Freisetzung von genmanipuliertem Mais statt, und die Bundesregierung sieht tatenlos zu", kritisiert Jan van Aken, Gentechnik-Experte von Greenpeace.
In einem Brief an Greenpeace hat auch das zuständige Umwelt-Kommissariat der EU betont, daß die EU-Staaten verpflichtet sind, geeignete Kontrollen durchzuführen und illegale Importe zu verhindern. Nach dem europäischen Gesetz über gentechnisch veränderte Pflanzen (Direktive 90/220) ist die Bundesrepublik verpflichtet, regelmäßige Kontrollen durchzuführen. "Die Behörden haben ihre Pflicht sträflich vernachlässigt. Wer schützt uns vor genmanipulierten Organismen, wenn nicht einmal die bestehenden Gesetze beachtet werden und illegale Genpflanzen unkontrolliert ins Land gelangen können?", so van Aken.