Date: Mon, 16 Mar 98 13:27:10 +0100

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16.3.98 Gentechnik: Hasardspiel mit der Gesundheit

2. Presseerklärung vom 16.3.1998

 Hasardspiel mit der Gesundheit

 

Greenpeace stellt neue Studie des Öko-Instituts zu Gesundheitsrisiken durch kommerziellen Anbau von Gentech-Mais vor

Hamburg, 16.3.1998. Werden Pflanzen gentechnisch gegen Antibiotika immun gemacht und großflächig angebaut, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, daß sich die Antibiotikaresistenz auf Keime von Mensch und Tier überträgt. Gefährliche Krankheitserreger könnten dann mit den herkömmlichen Antibiotika nicht mehr wirksam bekämpft werden. Zu diesem Schluß kommt eine Studie, die das Öko-Institut Freiburg im Auftrag von Greenpeace erstellt hat. Bevor in Frankreich in wenigen Wochen mit der großflächigen Aussaat von Genmais begonnen wird, fordert Greenpeace europaweit ein Verbot für den Anbau und den Import der gegen Insektenfraß, Herbizide und Antibiotika resistenten Maissorten der Firma Novartis.

"Was in Frankreich angebaut wird, landet europaweit in Futter- und Lebensmitteln und setzt die europäischen Verbraucher einem vollkommen überflüssigen Gesundheitsrisiko aus", sagt Jan van Aken, Gentechnik-Experte bei Greenpeace. "Wegen der zunehmenden Antibiotikaresistenzen bei Krankheitserregern wird in der Tiermast jetzt auf Antibiotika verzichtet. Es stellt die Logik auf den Kopf, wenn statt Antibiotika jetzt Antibiotikaresistenzen verfüttert werden."

Wegen der Antibiotikaresistenz haben sich schon mehrere EU-Mitgliedsstaaten gegen den Novartis-Mais ausgesprochen, darunter auch das eher gentechnikfreundliche England. In Norwegen sind alle gentechnisch veränderten Pflanzen mit Antibiotikaresistenzen verboten. Österreich und Luxemburg haben ein Importverbot für den Novartis-Mais verhängt. Selbst die bundesdeutsche "Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit" empfiehlt einen Verzicht auf Gene, die Resistenzen gegen therapeutisch bedeutende Antibiotika bewirken.

Die Studie des Öko-Instituts untermauert die Forderung nach einem Verbot. Alle bisherigen Forschungsergebnisse zeigen, daß mit einer Aufnahme der Antibiotika-Resistenzgene in Darmbakterien von Tier und Mensch gerechnet werden muß. Der Novartis-Mais trägt ein Resistenzgen gegen das in der Humanmedizin häufig verwendete Antibiotikum Ampicillin sowie gegen weitere Penicillintyp-Antibiotika. Sie werden u.a. bei Lungenentzündung, Gehirnhautentzündung, Angina, Scharlach oder Diphtherie verordnet. Gehen die künstlich eingeführten Gene im Darm aus den Maiszellen auf die Krankheitserreger über, dann können Ampicillin und die anderen betroffenen Penicillintyp-Antibiotika nicht mehr wirksam zur Krankheitsbekämpfung eingesetzt werden. Immer neue Antibiotika müssen entwickelt werden.

"Der Pharma-Riese Novartis setzt einen gefährlichen Resistenz-Wettlauf in Gang. Durch massenhafte Verbreitung von Resistenzgenen werden erst wichtige Medikamente unwirksam gemacht, um dann mit der Entwicklung neuer Antibiotika weiter Geld zu scheffeln. Dieses Hasardspiel mit der menschlichen Gesundheit muß sofort gestoppt werden", sagt Jan van Aken.


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