Stuttgarter Nachrichten
25.4.1998
Nestlé verkauft jetzt Gentechnik-Nahrung
Zunächst nur an Krankenhäuser - Initiative für
Volksbegehren gestartet
Frankfurt/Main (AP) - Knapp ein Jahr nach Inkrafttreten der
sogenannten Novelfood-Verordnung für gentechnisch
veränderte Lebensmittel verkauft jetzt auch der
Nestlé-Konzern entsprechende Produkte auf dem deutschen
Markt. Es handelt sich um in Krankenhäusern verwendete
Spezialnahrung; für den Normalverbraucher bietet das
Unternehmen noch kein Genfood an, wie Nestlé-Sprecher
Jörg Forthmann am Freitag in Frankfurt am Main sagte.
Greenpeace warf Nestlé vor, vorerst Produkte auf den Markt
zu bringen, bei denen der Konzern kaum Widerstand fürchte.
In Bayern startete derweil das bundesweit erste
Volksbegehren für ein Gütesiegel zur Kennzeichnung
gentechnikfreier Lebensmittel. Der Initiativkreis
¸¸Gentechnikfrei aus Bayern'' muß bis zum 7. Mai mindestens
900000 Unterschriften sammeln, um einen Volksentscheid zu
bewirken. Für die Zulassung des Antrags hatte die Initiative
aus rund 50 Gruppen bereits im Sommer 1997 rund 230000
Unterschriften gesammelt.
Nestlé versicherte erneut, daß alle Produkte mit gentechnisch
verändertem Soja entsprechend gekennzeichnet würden. Mit
Sicherheit gentechnikfrei seien Sojalagerbestände von 1996
und davor. Seither werde das veränderte Soja in fast allen
Hauptanbaugebieten verwendet, und garantiert
gentechnikfreies Soja sei auf dem Weltmarkt kaum mehr zu
haben.
Greenpeace erklärte in Hamburg, noch fürchte Nestlé einen
Imageschaden für seine großen Lebensmittelmarken.
¸¸Deshalb wagen sie es nicht, mit einem der bekannten
Produkte eine Ablehnung durch die Verbraucher
herauszufordern. Rolf Sauerbier, Sprecher von
Kraft-Jacobs-Suchard, sagte, in Schokolade sei Gen-Soja
bereits seit längerem weit verbreitet. ¸¸Sie können davon
ausgehen, daß in mindestens der Hälfte aller
Schokoladenprodukte in deutschen Läden gentechnisch
verändertes Soja drin ist.''