Biotechnik-Firmen kehren mit Forschung nach Deutsc..
dpa 13.08.98 14:16
Copyright dpa, 1998
Biotechnik-Firmen kehren mit Forschung nach Deutschland zurück
Frankfurt am Main (dpa) - Biotechnologie-Unternehmen haben aufgrund der besseren
Rahmenbedingungen ihr Engagement in Deutschland wieder wieder verstärkt, nachdem sie in
den vergangenen Jahren ihre Forschung zunehmend ins Ausland verlagert hatten. Dies teilte
der Industrieverband Biotechnologie am Donnerstag in Frankfurt mit.
Insgesamt 465 Unternehmen erzielten in Deutschland 1997 mit biotechnischen Produkten einen
Umsatz von rund 4,4 Milliarden DM. Allein in der Forschung arbeiten etwa 10 000
Beschäftigte.
Damit habe Deutschland gemessen am Umsatz zwar den Rückstand zu den USA noch nicht
aufgeholt, aber erreiche in Europa nach Großbritannien den zweiten Platz, sagte der
Sprecher der zum Verband der chemischen Industrie (VCI) gehörenden Vereinigung, Pol
Bamelis.
Das Anwendungsfeld der Biotechnik konzentriert sich auf Medizin und Landwirtschaft. 1997
wurde in Deutschland mit 43 gentechnisch hergestellten Arzneimitteln ein Umsatz von 1,8
Milliarden DM erreicht.
Noch haben die Biotechnik-Unternehmen nicht die Gewinnzone ereicht, teilte Bamelis mit.
Bei kleinen und mittleren Unternehmen in Europa summiert sich der Verlust derzeit auf rund
zwei Drittel des Umsatzes. "Für die Firmen ist es ein langer Weg. Aber die
Entwicklung von Arzneimitteln dauert immerhin rund zehn Jahre", sagte Bamelis.
In Deutschland könne mittlerweile unter vergleichbaren Bedingungen geforscht und
produziert werden wie in den USA, betonte Bamelis. "Die Genehmigung von
gentechnischen Anlagen ist in den meisten Bundesländern kaum noch ein Problem."
Allerdings werde die Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen auf
Versuchsfeldern noch zu sehr behindert. Die Genehmigungsverfahren seien zu aufwendig.
Die Europäische Union wolle außerdem die Zulassung von Gentechnik- Saatgut auf sieben
Jahre befristen, berichtete Bamelis. Diese Einschränkung stelle ein großes
wirtschaftliches Risiko für die Firmen dar. Auch der geforderte lückenlose Nachweis
über die Verwendung eines Produktes sei kaum möglich.
Bamelis, der Forschungs-Vorstand beim deutschen Chemiekonzern Bayer ist erklärte: In 87
Fällen sei in Deutschland 1997 gentechnisch veränderter Raps freigesetzt worden. 40
Versuche mit Zuckerrüben, 17 mit Mais und 12 mit Kartoffeln seien durchgeführt worden.
Gentechnik- Kritiker befürchten, daß die Folgen für Natur und Menschen nicht
kalkulierbar sind.
Das "Klonen von Menschen, die Herstellung von menschlichen Embryonen zu
Forschungszwecken und Eingriffe in die menschliche Keimbahn" werde abgelehnt,
erklärte Bamelis. Künftig sollen ethische Leitlinien den Unternehmen den Weg weisen und
die Akzeptanz der neuen Technik erhöhen. dpa ks yy fa