Greenpeace Presseerklaerung vom 7.9.1998

Schluss mit der Geheimniskraemerei:

Greenpeace kennzeichnet heimlich angebauten Gentech-Mais

Freiburg, 7.9.98 ---

Greenpeace-Aktivisten haben heute in Riegel am Kaiserstuhl ein Feld mit gentechnisch veraendertem Mais gekennzeichnet. Sie spannten ein 400 Quadratmeter grosses Transparent ueber die Maispflanzen mit der Aufschrift "Achtung genmanipuliert" und einem "X" als Zeichen fuer Gentechnik.

Bei dem Mais handelt es sich um eine gentechnisch veraenderte Sorte des Schweizer Chemieunternehmens Novartis. Einen knappen Hektar hatte der Landwirt heimlich und ohne Wissen der Nachbarn mit dem Genmais bepflanzt. Dies ist eines von mehreren hundert Feldern, die versteckt in Deutschland angelegt wurden. Trotz aller Geheimhaltung gelang es Greenpeace, eines der Felder zu entdecken. Die Laboranalyse einer Pflanzenprobe bestaetigte, dass es sich um Gentech-Mais handelt.

Genmanipuliertes Mais-Saatgut fuer ca. 350 Hektar hatte Novartis in diesem Fruehjahr in Deutschland vertrieben. Nur wenige Eingeweihte bei Novartis sowie einige Landesbehoerden wissen, wo ueberall der Genmais heranwaechst. Es ist dies der erste kommerzielle Anbau von gentechnisch veraenderten Pflanzen in Deutschland. Ganz nach Belieben koennen die Landwirte den Genmais wie jede herkoemmliche Maissorte als Viehfutter verwenden oder als Koernermais zur Weiterverarbeitung verkaufen. In jedem Fall gelangt der Mais in die menschliche Nahrung. In wenigen Tagen beginnt die Maisernte.

Der Novartis-Mais ist eine Gefahr fuer die Gesundheit, weil die Gentechniker ihm ein Resistenzgen gegen Antibiotika eingebaut haben. Die Widerstandsfaehigkeit gegen Antibiotika kann sowohl auf dem Acker als auch im Magen-Darm-Trakt von Menschen und Tieren auf Bakterien uebertragen werden und dazu fuehren, dass lebensrettende Medikamente im Krankheitsfall versagen.

"Der Genmais gehoert weder auf den Acker noch auf den Teller", sagt Jan van Aken, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "Novartis und die Behoerden muessen sofort alle Anbauflaechen offenlegen. Novartis muss den betroffenen Bauern die Ernte abkaufen, damit sie nicht in die Nahrungskette gelangt."

Auch die ahnungslosen Nachbarn koennen betroffen sein: Die kuenstlich eingefuehrten Gene koennen ueber den Pollenflug auf benachbarte Maisfelder uebertragen werden. Neben derAntibiotikaresistenz sind dem Mais noch weitere Eigenschaften gentechnisch eingebaut worden: Die Pflanzen produzieren ein Pestizid und sind unempfindlich gegen Spritzungen mit speziellen Unkrautvernichtern.

"Die Anrainer muessen sich vor der unkontrollierbaren Verbreitung des Genmaises schuetzen koennen," sagt van Aken. "Sonst wird auch ihre Ernte gentechnisch verunreinigt. Die Heimlichtuerei muss endlich ein Ende haben."

Ein erstes Produkt mit gentechnisch veraendertem Mais ist seit wenigen Tagen auch in Deutschland auf dem Markt. Der Lebensmittelriese Nestli bietet einen Schokoriegel an, der neben anderen Genmaissorten auch Novartis-Mais enthalten kann.


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