Wissenschaft/Biologie/Medizin/ Greenpeace fürchtet ..
dpa 08.09.98 13:59
Copyright dpa, 1998
Wissenschaft/Biologie/Medizin/ Greenpeace fürchtet Antibiotika-Resistenz durch Gen-Mais
Berlin (dpa) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat dem Saatgut-Hersteller Novartis
vorgeworfen, mit genverändertem Mais die Unwirksamkeit des Antibiotikums Ampicillin zu
fördern. Der sogenannte Bt-Mais der Schweizer Firma werde zur Zeit in Deutschland auf 350
Hektar angebaut, sagte Greenpeace-Sprecher Jan van Aken am Dienstag in Berlin.
Novartis-Sprecher Andreas Seiter warf Greenpeace dagegen Desinformation vor. Sämtliche
Expertengremien in der Europäischen Union hätten den Bt-Mais für gesundheitlich
unbedenklich erklärt, sagte er in Berlin. Alles genetische Material, das der Mensch
täglich über Nahrung aufnehme, werde vom Magen verdaut.
Van Aken äußerte die Befürchtung, das Bt-Gen werde nicht verdaut, sondern in
Darmbakterien "eingebaut". Diese Bakterien würden dann gegen Antibiotika-Gaben
resistent werden. Seiter betonte hingegen, diese Möglichkeit sei nach übereinstimmender
Expertenmeinung auszuschließen. Der Mais sei in vielen Ländern der Erde als Nahrungs-
und Futtermittel zugelassen.
Greenpeace wird unterstützt vom Präsidenten der Ärztekammer Berlins, Ellis Huber. Er
halte das Risiko der Resistenzbildung für äußerst gering. Doch sollte auch ein noch so
geringes Gefährdungspotential vermieden werden. Er räumte vor Journalisten ein, daß das
Problem einer zunehmenden Unwirksamkeit von Antibiotika tatsächlich auf der unkritischen
Verschreibung dieser Medikamente durch Ärzte beruhe.
Der Bt-Mais wird in den USA, Kanada und anderen Staaten seit drei Jahren auf Millionen von
Hektar angebaut. Diesem Mais wird ein einziges Gen des "Bazillus thuringiensis"
eingebaut. Dieses Gen produziert in der Pflanze ein Eiweiß, das für die Larve des
Schädlings "Maiszünsler" tödlich ist. Dadurch könne der Einsatz chemischer
Insektizide deutlich gesenkt werden.
Wie Novartis-Sprecher Seiter erläuterte, hätten der Mensch und andere Lebewesen im
Gegensatz zur Maiszünslerlarve im Darm keine Rezeptoren, die dieses Eiweiß aufnehmen.
Eine Resistenzentwicklung sei eine lediglich theoretische Möglichkeit, weil viele
Eiweiß-Gene verschiedenster Pflanzen gegen krankmachende Mikroorganismen wirken.
Huber und Greenpeace fordern gemeinsam die deutsche Regierung auf, den Anbau gentechnisch
veränderter Pflanzen mit "Antibiotika- Resistenz" zu verbieten. Der Genmais
werde in Kürze in Deutschland geerntet. Nach Angaben von Novartis stellen die bundesweit
350 Hektar mit Bt-Mais 0,02 Prozent der gesamten Maisanbaufläche dar.
Greenpeace hatte am vergangenen Montag ein Feld mit Novartis-Mais am Kaiserstuhl in der
Nähe von Freiburg (Baden-Württemberg) mit einem Transparent "gekennzeichnet".
Die Umweltschützer forderten von der Firma eine Offenlegung sämtlicher Anbauflächen.
Seiter wies dies mit Hinweis auf den von Greenpeace gegen die Landwirte verübten
"Psychoterror" zurück. dpa un yy tm