Deutschland/ Greenpeace mäht in Süddeutschland Feld..
dpa 11.09.98 13:38
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Deutschland/ Greenpeace mäht in Süddeutschland Feld mit Genmais ab
Freiburg (dpa) - Greenpeace-Mitglieder haben am Freitag in der Nähe der südbadischen
Stadt Müllheim ein Feld mit gentechnisch verändertem Mais des Schweizer
Chemieunternehmens Novartis ausfindig gemacht. Man habe in Absprache mit dem betroffenen
Bauern die gesamte Ernte abgemäht, teilte die Umweltschutz-Organisation mit.
Mit einer Häckselmaschine wurde der Mais geschnitten und in Säcke verpackt. Die
Umweltschützer wollten nach eigenen Angaben verhindern, daß der Gen-Mais zu Lebens- oder
Futtermitteln verarbeitet wird. "Genmais ist eine Gefahr für Umwelt und
Gesundheit", sagte ein Greenpeace-Vertreter. Novartis müsse den Mais zurücknehmen
und die Bauern entschädigen.
Dem Novartis-Mais wurden im Labor drei zusätzliche Gene übertragen. So produzieren die
Pflanzen in jeder einzelnen Zelle ein Pestizid gegen den Maiszünsler, der in der
Landwirtschaft als Schädling gilt. Nach Greenpeace-Angaben schädigt das Gift auch
Nützlinge wie die Florfliege, natürlicher Feind des Maiszünslers. Das belegten neue
Untersuchungen aus der Schweiz.
Neben einer Herbizid-Resistenz sei noch ein Antibiotika- Resistenz-Gen eingebaut worden.
Auf dem Acker oder im Magen-Darm- Trakt von Menschen und Tieren könne dieses von
Bakterien aufgenommen werden. Gefährliche Krankheits-Erreger könnten dann mit
herkömmlichen Antibiotika nicht mehr wirksam bekämpft werden.
Ebenfalls im Einverständnis mit dem Bauern sollten am selben Tag auch in Frankreich
Mitarbeiter von Greenpeace gentechnisch veränderte Maispflanzen abmähen. In Frankreich
seien in diesem Jahr etwa 2 000 Hektar angepflanzt worden. Greenpeace werde den Genmais an
Novartis zurückschicken.
Zu Beginn dieser Woche hatte Greenpeace in Südbaden Deutschlands erstes kommerziell
genutztes Feld mit gentechnisch verändertem Mais ausfindig gemacht. 30 Aktivisten
kennzeichneten das Feld nördlich von Freiburg im Breisgau am Montag mit einem großen
Transparent.
Nach Angaben von Novartis ist der betreffende Mais "europaweit für alle
Verwendungszwecke zugelassen". Sämtliche bisherigen wissenschaftlichen
Untersuchungen hätten bestätigt, daß er sich "in seinen Auswirkungen auf Mensch,
Tier und Umwelt nicht von herkömmlichem Mais unterscheidet".
Auch sei das betreffende Mais-Saatgut seit dem vergangenen Jahr "unmißverständlich
als solches gekennzeichnet". Nach weiteren Angaben von Novartis wurden in Deutschland
350 Hektar mit diesem Mais bestellt, etwa 0,02 Prozent der gesamten Mais-Anbaufläche. In
Südbaden könnten es nach Behörden-Schätzungen 30 bis 40 Hektar sein.
Im Juli vergangenen Jahres war in Südbaden ein Versuch zur Aussaat von Gen-Mais
gescheitert. Es kam zu teilweise gewaltsamen Aktionen von Gegnern der Gentechnologie und
Umweltschützern. dpa wa yy ru