Deutschland/ Greenpeace zeigt "Genmais" bei Behörde..
dpa 18.09.98 16:43
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Deutschland/ Greenpeace zeigt "Genmais" bei Behörden an - Hersteller
widerspricht
Hamburg/Stuttgart (dpa) - Im Streit um genetisch veränderten Mais hofft die
Umweltschutzorganisation Greenpeace jetzt auf Hilfe von Behörden. Die Organisation
schaltete nach Angaben vom Freitag das Pflanzenschutzamt in Freiburg (Baden-Württemberg)
und das Landesamt für Regionalentwicklung und Landwirtschaft in Wetzlar (Hessen) ein, um
gegen den Anbau von "Genmais" des Schweizer Chemieunternehmens Novartis
vorzugehen.
Eine Bestätigung dafür gab es weder in Freiburg noch in Wetzlar. Unterdessen wies
Novartis die Kritik von Greenpeace am genetisch veränderten Mais als grundlos zurück.
Nach Ansicht von Greenpeace ist der von Novartis produzierte Mais einem Pestizid
gleichzusetzen. Er sei jedoch von den Behörden bisher nicht als solches zugelassen,
teilte die Umweltschutzorganisation mit. "Damit verstößt Novartis eindeutig gegen
das Pflanzenschutzgesetz."
Nach Angaben der Umweltschützer ist in dem Mais das Gen eines bestimmten Bakteriums
eingebaut. Dadurch entsteht im Mais ein Gift, daß den sogenannten Maiszünsler bekämpft.
Die Raupen dieses Schmetterlings greifen die Maispflanzen an und gelten deswegen als
Schädlinge.
Novartis teilte dazu am Freitag mit, eine Zulassung nach dem Pflanzenschutzgesetz sei für
den Mais nicht erforderlich. Dies habe die dafür zuständige Biologische Behörde für
Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig (Niedersachsen) bestätigt.
Novartis warf Greenpeace vor, "die Öffentlichkeit mit Fehlinformationen zu
verunsichern". Mit dem genetisch veränderten Mais werde der Maiszünsler besonders
umweltschonend bekämpft. Das Insekt sei ein großes Problem im Mais-Anbau. Allein im Raum
Darmstadt (Hessen) erwarteten Landwirte in diesem Jahr Ernteausfälle bis zu 50 Prozent.
Vor einer Woche hatten Greenpeace-Aktivisten in der Nähe von Müllheim
(Baden-Württemberg) ein Feld mit gentechnisch verändertem Mais von Novartis abgemäht.
Drei Tage später lud die Umweltschutzorganisation drei Lastwagen mit dem abgeernteten
Mais vor der Novartis-Niederlassung in Basel ab.
Insgesamt haben Gen-Technik-Gegner in diesem Jahr nach offiziellen Angaben 17
Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen zerstört. Dies seien fast doppelt
so viele wie im ganzen vergangenen Jahr, hieß es weiter. Insgesamt gebe es derzeit in
Deutschland 300 genehmigte Freilandversuche. dpa yy bo