Gentechnik revolutioniert Erkenntnis und Wissenscha..
dpa 22.09.98 02:30
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Gentechnik revolutioniert Erkenntnis und Wissenschaft Von Gerald
Mackenthun, dpa
Berlin (dpa) - Die US-Weltraumagentur NASA sucht nach Leben im All und vor allem danach,
wie es entstanden sein könnte. Sie fördert die Erforschung der Teilungsvorgänge
niederer Lebewesen und verfügt nach Aussagen von Günter von Kiedrowski von der
Ruhr-Universität Bochum (Nordrhein-Westfalen) schon über eine ganze Palette an Systemen,
deren Teile sich selbst vermehren können.
Bislang ist dennoch unbekannt, wie sich in einer brodelnden Ursuppe der erste Schritt zur
Biologie - die Vermehrung von Erbmaterial ohne Enzyme - vollzogen hat.
"Trotz der Erfolge, die die Chemie bisher verbuchen konnte, ist man von der Erzeugung
künstlichen Lebens im Reagenzglas noch weit entfernt", sagte Kiedrowski auf der 120.
Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Berlin. Der Kongreß
geht am Dienstag zu Ende.
Moleküle müßten sich exponentiell vermehren, damit sie überleben, aber genau das sei
im Reagenzglas noch nicht beobachtet worden. Nun werde nach Bedingungen gesucht, unter
denen "explosionsartiges" Wachstum stattfinden kann.
Das bei weitem größte Forschungsvorhaben auf Ebene der Moleküle ist jedoch das
Humangenom-Projekt zur Ermittlung der Abfolge aller drei Milliarden Basenpaare der
menschlichen Erbinformation. Die Forscher wollen vor allem herausfinden, wie Erbanlagen im
Wechselspiel mit Umweltfaktoren die normale und die krankhafte Entwicklung beeinflussen.
Nachdem einzelne Gene "kartiert" wurden, die für spezifische Erbkrankheiten
verantwortlich sind, stehen die Forscher vor der ungleich schwierigeren Aufgabe, das
Wechselspiel von vielen Genen untereinander und mit der Umwelt zu verstehen.
Das Gensystem ist flexibel und kann sich oft selbst reparieren, wie Prof. Karl Sperling
vom Krankenhaus Charite in Berlin erläutert. Eine Genveränderung bedeutet noch nicht,
daß eine Krankheit ausbrechen muß, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit. Eine Vorbeugung
kann den Ausbruch der Krankheit vermeiden, dämpfen oder hinauszögern. Daraus folgt für
Sperling, daß mit zunehmender Kenntnis des Erbguts immer mehr die - noch - Gesunden
untersucht und beraten werden müssen.
Sperling warnte: "Die Kluft zwischen den Möglichkeiten der Diagnose und
einer verläßlichen Prognose wird immer größer." Zudem sind die Folgen, die sich
aus der neuen Kenntnis der genetische Erbinformationen ergeben, noch kaum abzuschätzen.
Die 1 800 teilnehmenden Wissenschaftler des Kongresses trieb die Sorge um, daß das
angesammelte Wissen selbst für Experten unüberschaubar wird und die Öffentlichkeit den
Forschern kaum noch folgen kann. Allein in der Chemie gebe es jährlich eine Millionen
Veröffentlichungen, sagte Engelbert Zaß von der Eidgenössischen Technischen Hochschule
Zürich (Schweiz).
Das Internet werde demnächst für jedermann den direkten Zugang zu umfangreichen Archiven
und Bibliotheken ermöglichen, was Prof. Klaus Kornwachs von der Technischen Universität
Cottbus (Brandeburg) zu dem Stoßseufzer veranlaßte: "Zwar wissen dann alle alles,
aber keiner weiß Bescheid." dpa yy fk