Frankreichs Staatsrat setzt Vermarktung von gen-ve..

dpa 25.09.98 18:29


Copyright dpa, 1998
Frankreichs Staatsrat setzt Vermarktung von gen-verändertem Mais aus

Paris/Basel (dpa) - Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht hat am Freitag die Genehmigung für den Anbau und die Vermarktung von gentechnisch verändertem Mais per Einstweiliger Verfügung überraschend ausgesetzt.

"Damit ist die erste kommerziell in Europa angebaute genmanipulierte Pflanze gleich im ersten Jahr wieder gestoppt worden", erklärte die Umwelt-Organisation Greenpeace in einer ersten Reaktion.

Sie hatte gemeinsam mit anderen Umwelt-Vereinigungen im Frühjahr eine Einstweilige Verfügung beim Staatsrat (Conseil d'etat) beantragt. Der Schweizer Novartis-Konzern bedauerte als Hersteller des Gen-Mais' die Verfügung ebenso wie der Verband der Mais- Produzenten (AGPM). Das Agrar-Ministerium in Paris sah keine Grundsatzentscheidung gegeben.

Der Staatsrat entschied gegen die Haltung der Regierung. Er wertete die Greenpeace-Argumentation als ausreichend. Die Umweltorganisation hatte Vorsicht als Prinzip gefordert. Damit dürfte bis Dezember, wenn das Gericht im Hauptverfahren grundlegend entscheiden will, der Anbau des gen-veränderten Mais in Frankreich untersagt sein.

"Angesichts der eventuellen Konsequenzen des Anbaus dieser Arten ist es vorzuziehen, bis zur Entscheidung in der Sache selbst der Ausführung der ministeriellen Beschlüsse vorsorglich Einhalt zu gebieten", hieß es in der Erklärung des Staatsrates zur Begründung.

"Wir sind von der Qualität und Sicherheit unseres Produktes überzeugt", erklärte Novartis-Sprecher Thomas Staffelbach in Basel. In Frankreich sind nach seinen Angaben rund 2 000 Hektar Land mit gen-veränderten Maissorten von Novartis bepflanzt.

Er verwies darauf, daß die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Mais-Pflanzen und den Nutzen für die Bauern nicht in Frage gestellt worden sei. "Wir sind zuversichtlich, daß wir den Staatsrat, wenn es um die grundsätzliche Frage geht, überzeugen können, daß das Produkt sicher ist", sagte Staffelbach.

"Diese Entscheidung ist absolut bedauerlich, denn unsere amerikanischen Freunde auf der anderen Seite des Atlantiks stellen sich nicht so viele Fragen", erklärte auch AGPM-Präsident Marcel Cazale.

Die rot-grüne Regierung von Premierminister Lionel Jospin hatte am 27. November 1997 eine Entscheidung der konservativen Vorgänger- Regierung revidiert und erstmals eine Maissorte der Schweizer Firma Novartis für den Anbau genehmigt. Im vergangenen Juli folgten dann zwei weitere Arten.

Gleichzeitig hatte die Regierung für die Marktzulassung anderer gen-veränderter Pflanzen als Mais nach einer Bürger-Befragung jedoch ein zweijähriges Moratorium verkündet.

Greenpeace steht auf dem Standpunkt, daß der gegen schädliche Insekten resistente Mais wie ein Insektengift wirke. Er sei aber nicht nach den Regeln des französischen Pflanzenschutz-Gesetzes zugelassen, so ihre Argumentation. dpa rk/cn xx bo


Übersicht