Der Papst und sein Vermächtnis: Gegen post-moderne..

dpa 15.10.98 14:31


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Der Papst und sein Vermächtnis: Gegen post-moderne Beliebigkeit Von Peer Meinert, dpa

Rom (dpa) - Alt und krank ist der Papst geworden, doch zum Jubiläum wollte er noch einmal einen großen Wurf vollenden. Im Vatikan gibt es keinen Zweifel, die neue Enzyklika "Glaube und Vernunft" ist ein Vermächtnis des 78 Jahre alten Polen.

An diesem Freitag vor genau 20 Jahren geschah das Unglaubliche, daß erstmals in der Geschichte der katholischen Kirche ein Slawe auf den Stuhl Petri gewählt wurde. Jetzt kehrt der Mann aus Krakow zu den Wurzeln des Glaubens zurück - es geht um die "letzten Fragen" des Menschen. Zugleich gibt es harsche Kritik an der modernen Philosophie und Wissenschaft. Kompromißlos formuliert der Papst, Wahrheit gebe es ausschließlich durch die Offenbarung.

Empfängnisverhütung, Abtreibung, Zölibat - häufig mußte der konservative Johannes Paul II. für seine Positionen Kritik einstecken. Da das Thema diesmal eher theoretisch ist, droht weniger Gefahr.

"Wer bin ich? Woher komme ich und wohin gehe ich?" sind die Grundfragen der Enzyklika. Beinahe poetisch mutet der erste Satz des Schreibens an: "Glaube und Vernunft sind die beiden Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt." Angesprochen ist das heikle Verhältnis zwischen Philosophie und Theologie.

Wieder einmal beweist der Papst, daß er kein Mann lauer Kompromisse ist. Seine Kritik an der modernen "wertfreien" Wissenschaft ist radikal, wenn auch nicht neu und sonderlich originell. Daß Technik ohne Ethik und Reflexion zur Zerstörung führen kann, weiß die Welt spätestens seit der Atombombe.

Dennoch klingt der Vorwurf hart: "Die Wissenschaft bereitet sich also darauf vor, sämtliche Aspekte des menschlichen Daseins durch den technologischen Fortschritt zu beherrschen." Zwar ist nicht ausdrücklich davon die Rede, aber der Blick liegt wohl auf Gentechnik, Klonen und anderen Experimenten mit der lebenden Kreatur.

Pointiert ist auch die Kritik des alten Mannes an einem Demokratieverständnis, das allein auf Mehrheiten schaut; auch Parlamente können Unmenschliches beschließen. Hart geht der Vatikan mit der post-modernen Beliebigkeit, mit Wissenschaft ohne ethische Werte, mit Philosophie ohne Transzendenz ins Gericht.

Immer wieder der Tenor, ohne Offenbarung geht nichts. Der Feind hat einen Namen: Nihilismus. "Dieser Nihilismus findet eine Bestätigung in der schrecklichen Erfahrung des Bösen, die unser Zeitalter gezeichnet hat."

Es geht um die "Sinnkrise", und wie zu erwarten zeigt der Mann auf dem Stuhl Petris wenig Sinn für "New Age" und Esoterik. Nicht zufällig fiel es Kardinal Joseph Ratzinger zu, die Enzyklika am Donnerstag zu erläutern.

Immer wieder wird der Vorsitzende der Glaubenskongregation als der eigentlich "starke Mann" im Vatikan hinter dem gebrechlichen Papst porträtiert. Intellektell brillant, doch mit eiserner Schärfe kommentierte er das Verhältnis von Theologie zur modernen Philosopohie: "Das Christentum hat für alle Gültigkeit, weil es wahr ist." Die moderne Philosopie basiere dagegen "auf dem Zweifel". dpa xx ra


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