Entwicklungsländer wehren sich gegen
"Biopiraten" ..
dpa 01.11.98 01:00
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Entwicklungsländer wehren sich gegen "Biopiraten" aus
dem Westen Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa
Genf (dpa) - In Indien und Kenya gilt der Neem-Baum (Azadirachta
Indica) als wahres Wundergewächs. Der Saft seiner Blätter soll
gegen vielerlei Krankheiten helfen. Als Medizin und
Pflanzenschutzmittel ohne Nebenwirkungen wird Neem besonders von
der Landbevölkerung geschätzt.
Auf die Idee, sich die Rechte an dem Baum durch internationale
Patente zu sichern, kamen die Bauern und Naturheiler nie - eine
gute Gelegenheit für den US-amerikanischen Agrar- und
Biotechnologie- Konzern Monsanto. Er besitzt inzwischen Patente für
Neem-Produkte gegen Pilze und Insekten.
Indien will nun, daß die Welthandelsorganisation (WTO) in Genf
dieser Art von "Biopiraterie" eine Riegel vorschiebt.
Bei einer allgemeinen Aussprache in Genf kündigte Indien vor
einigen Tagen eine entsprechende Initiative zum Schutz von
Herkunftsbezeichnungen und traditionellen Heilmethoden an.
Es gehe nicht an, daß Großkonzernen in den Industrienationen
das überlieferte Wissen der Menschen in Entwicklungsländern
nutzten, ohne daß diese davon in irgendeiner Weise profitierten,
argumentieren die Inder.
"Dieser Vorstoß zeigt uns, daß die Inder endlich
aufgewacht sind", meint ein europäischer Handelsdiplomat in
Genf. Indien habe es jahrelang versäumt, ein vernünftiges
Patentwesen aufzubauen, "und es kann mir niemand erzählen,
daß sie dazu nicht in der Lage wären".
Anfang dieses Jahres hatte ein Schiedsgericht der
Welthandelsorganisation festgestellt, daß Indien mit seinen
Patentgesetzen gegen das WTO-Abkommen über die handelsrelevanten
Aspekte des Schutzes geistigen Eigentums (TRIPS) verstößt. Kläger
in dem WTO-Schiedsverfahren waren die USA.
Daß Indien nun eine Überarbeitung des TRIPS-Abkommens wünscht,
hat allerdings weniger mit der US-Klage zu tun, als mit
Basmati-Reis. Als die texanische Firma RiceTec sich im
vergangenen September ein Patent auf ihre Basmati-ähnliche Züchtung
mit dem Produktnamen "Texmati" erteilen ließ, kannte
die Empörung asiatischer Reisproduzenten keine Grenzen. Denn
Basmati, der vor allem im Norden Indiens und Pakistans angebaut
wird, gilt als Edelreis und wertvoller Devisenbringer.
Aufgeschreckt von diesem und ähnlichen Beispielen, denkt die
Regierung in Malaysia inzwischen sogar über gesetzliche Maßnahmen
nach, die ausländische "Pflanzendiebe" daran hindern
sollen, das Saatgut für einheimische Kulturpflanzen billig zu
kaufen und auszuführen. Außerdem hat das staatliche
Arzneimittelpflanzen- und Waldinstitut des Landes damit begonnen,
eine Liste von Pflanzen und Kräutern zu erstellen, die von den
Naturheilern Malaysias als Medizin benutzt werden.
Bei der EU, wo jahrelang über Schutzbestimmungen für
"Champagner" und andere regionale Spezialitäten
gestritten worden ist, herrscht ein gewisses Verständnis für
die Ängste der Entwicklungsländer. Anders sieht es in den USA
aus, wo man im Glauben an die Kraft des freien Unternehmertums
immer noch an dem Grundsatz festhält "Wer eine gute Geschäftsidee
hat, der soll damit auch Geld verdienen dürfen". dpa xx hr