Nestle meidet Gentechnik-Debatte - kaum Genprodukt..
dpa 01.06.99 09:36
Copyright dpa, 1999
Nestle meidet Gentechnik-Debatte - kaum Genprodukte im Sortiment
Frankfurt am Main (dpa) - Der Lebensmittelriese Nestle will in Deutschland keine neue
Gentechnik-Debatte provozieren. Daher verzichtet Nestle praktisch ganz auf Erzeugnisse mit
Zutaten aus gentechnisch veränderten Rohstoffen.
Einzige Ausnahme ist ein aus den USA importierter Erdnußriegel. Dieses Produkt spiele im
Markt aber kaum eine Rolle, betonte der Vorstandschef des deutschen Nestle- Konzerns, Hans
Güldenberg, am Dienstag in Frankfurt.
Gentechnisch veränderte Nahrung für den Einsatz in Krankenhäusern sei inzwischen wieder
aus dem Lieferprogramm gestrichen worden. "Das gibt es nicht mehr", sagte
Güldenberg.
Mit diesem Kurs will Nestle heftige Reaktionen der Verbraucher - wie zum Beispiel in
Großbritannien - vermeiden. Dort waren unter anderem auch von Nestle Lebensmittel mit
gentechnisch veränderten Zutaten auf den Markt gebracht worden, die aber von den
Supermarktketten wieder aus den Regalen geholt wurden.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte erst vor rund drei Wochen gegen Nestle
demonstriert. Mitglieder von Greenpeace hatten auf dem Dach der deutschen Nestle-Zentrale
eine Flagge mit der Aufschrift "Gentechnik hat keine Zukunft" befestigt und von
der Konzernleitung eine Erklärung zum künftigen Einsatz genveränderter Rohstoffe
verlangt.
Trotz ständig neuer "innovativer Produkte" - wie etwa Rühreibrote für die
Mikrowelle - hat der Nestle-Konzern in Deutschland einen eher schwachen Start in das Jahr
1999 hingelegt.
Neben dem geringen Konsum macht Güldenberg dafür auch rückläufige Preise bei einzelnen
Lebensmitteln, wie Kaffee und Fleisch, verantwortlich. Der Preisverfall sei "für die
Verbraucher zwar angenehm", für die Ernährungsindustrie aber nicht immer, betonte
Güldenberg.
Grund für die gedämpfte Freude über sinkende Einkaufspreise sei der harte Wettbewerb.
Dieser zwinge die Anbieter dazu, die Preissenkungen stärker weiterzugeben, als dies
eigentlich nötig wäre.
Unter geringem Druck sieht sich Nestle beim Versuch der Handelsketten, mit Eigenmarken den
eingeführten Marken Konkurrenz zu machen. Der jüngste Schritt des
Lebensmittel-Discounters Aldi, auch die letzten vier Nestle-Marken aus den Regalen zu
nehmen, sei eher ein Einzelfall. "Die meisten arbeiten mit Markenartiklern
zusammen."
Der Nestle-Konzern verzeichnete im ersten Quartal 1999 zwar ein Umsatzplus von 3,7 Prozent
auf 1,36 Milliarden DM, und die gesamte Gruppe legte um 1,4 Prozent auf 1,93 Milliarden DM
zu. Darin sind aber auch Zukäufe enthalten. Auf vergleichbarer Basis sei der Umsatz im
Konzern und in der Gruppe zurückgegangen, betonte Güldenberg. dpa kf yy gp