Prinz Charles sorgt sich wegen Sicherheit von Gen-..
dpa 01.06.99 00:10
Copyright dpa, 1999
Prinz Charles sorgt sich wegen Sicherheit von Gen-Lebensmitteln
London (dpa) - Mit einer Warnung vor möglichen Gefahren durch gentechnisch veränderte
Lebensmittel hat sich der britische Thronfolger Prinz Charles am Dienstag öffentlich
gegen die Politik von Premierminister Tony Blair gestellt.
Vier Tage nachdem Blair die Sicherheit von gentechnischen Veränderungen unterstrichen und
die Medien des Landes der "Hysterie" geziehen hatte, bezweifelte der Prinz in
einem Artikel für die Zeitung "Daily Mail" die Sicherheitsvorkehrungen und
beklagte einen Mangel an unabhängiger wissenschaftlicher Forschung.
"Die Reaktion der Öffentlichkeit zeigt, daß wir instinktiv nervös sind, wenn es
darum geht, in die Natur einzugreifen, ohne genug über die Folgen zu wissen",
schrieb Charles. Die einzigen Leute, die von gentechnisch veränderten Lebensmitteln zu
profitieren schienen, seien jene, die die Technologie besäßen und industrielle
Landwirtschaft betrieben.
Es gebe derzeit keinen Beweis dafür, daß gentechnische Veränderungen gefährlich seien,
doch könne nur eine sehr langfristig angelegte unabhängige Forschung schließlich eine
Antwort geben. "Wer wird rechtlich verantwortlich sein? Die Firma, die die Saat
verkauft oder der Bauer, der sie ausbringt? Oder werden es, so wie im Falle des
Rinderwahnsinns BSE, wir alle gemeinsam sein?"
Der Prinz wies auch das Argument zurück, nur dank gentechnischer Eingriffe lasse sich der
Hunger in den Ländern der Dritten Welt bekämpfen: "Das klingt mir verdächtig nach
emotionaler Erpressung."
Ein Sprecher von Ministerpräsident Tony Blair erklärte dazu, der Prinz habe Downing
Street vorab eine Kopie seines Artikels zugeschickt. "Sein (Charles') Interesse an
diesen Fragen ist ebenso wie seine Ansichten bekannt", sagte der Sprecher. Die
Regierung bemühe sich um eine vernünftige Diskussion über dieses Thema und wolle
Panikmache vermeiden. "Dies ist ein kompliziertes Gebiet und die Regierung handelt
gemäß den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen."
Ein Sprecher des Lebensmittelkonzerns Monsanto bestritt den angeblichen Mangel an
wissenschaftlichen Untersuchungen und Vorschriften. Er wies darauf hin, daß erst
kürzlich namhafte britische Wissenschaftler die Sorgen des Prinzen ausdrücklich
zurückgewiesen hätten. Das Unternehmen entwickelt gentechnisch veränderte Pflanzen. Ein
Sprecher der Umweltschutzorganisation Greenpeace unterstützte hingegen ausdrücklich die
Argumentation des Thronfolgers. dpa eb xx sp