Unter obigem Titel berichtet Der Rabe Ralf -
Monatsblatt der Grünen Liga Berlin
- auf seiner Titelseite von einer Internationalen Karawane: 500 Kleinbauern,
Landlose und Billiglohnarbeiter aus dem Süden führen durch Europa, um über die
verheerenden Auswirkungen des "freien" Welthandels zu berichten und Verbündete
für ein anderes Wirtschaften zu suchen.
Am 1. Juni bekam das verschlafene Klosterdorf bei Straußberg (östlich von
Berlin) einen nicht ganz alltäglichen Besuch. Überall im ökologischen
Bildungswerk "ÖkoLeA" sah man Leute mittleren Alters herumlaufen, die Männer
in
westlicher Kleidung, die Frauen im traditionellen Sari. Im Bus angereist,
erschöpft, aber gut gelaunt, sahen sich die Gäste den Bauernhof an.
In der umgebauten Scheune prangte eine große Pinnwand, auf der sich englische,
französische und deutsche Zeitungsauschnitte zum Thema Gentechnik tummelten, ein
Name stach darauf immer wieder ins Auge: Monsanto. Der US-amerikanische
Chemiekonzern hat mit seinen großangelegten Feldversuchen weltweite Schlagzeilen
gemacht. Nicht weniger spektakulär fiel auch die Reaktion der indischen Bauern
auf diese Versuche aus: Sie ernteten die genmanipulierten Baumwollpflanzen im
Rahmen von spontanen Protesten kurzerhand ab oder steckten gleich das ganze Feld
in Brand.
Die Beuscher berichteten von ihrer Situation als Kleinbauern, die durch Monsantos
Taktik mehr oder weniger gezwungen wurden, ihre Felder mit genetisch
veränderter Saat zu bestellen. Nachdem Monsanto mehr oder weniger klammheimlich
die führenden Saatgutunternehmen Indiens aufgekauft hatte, brachte der Konzern
eine neue Baumwollsorte mit dem Namen "Weißes Gold" heraus, die zu
katastrophalen Mißernten im ganzen Land führte. Alles eingeplant, denn nun
mußte, wer nicht verhungern wollte, auf die staatlichen Vorräte an Baumwolle und
Getreide zurückgreifen. Waren die aufgebraucht, so gab es nichts mehr, mit dem
man für das nächste Jahr säen konnte, außer der Gen-Saat, die - na, wer denn
wohl? - günstig anbot.Ob die vielen Selbstmorde verzweifelter Bauern, die auf
die Mißernten folgten, ebenfalls eingeplant waren?
Das Ganze lief auf einen Menschenversuch heraus, mit dem kleinen Schönheits-
fehler, daß die Versuchskaninchen nicht mitspielten und plötzlich aktiv
wurden.Erst nannte man es nur das TCP, "total crazy project". Sie müssen
einfach
verrückt sein, 500 Männer und Frauen aus dem Süden, die in elf Bussen im Mai und
im Juni durch ganz Europa tourten, sowohl um die Industrienationen mit ihrer
Anwesenheit zu konfrontieren als auch, um den Austausch mit europäischen
Bewegungen zu suchen. Kleinbauern, Texttilarbeiter, Fischer, Landlose,
Vertriebene, sie kamen nicht nur aus Indien, sondern auch aus Brasilien,
Chiapas, Bangladesh - und dieses Mail waren es keine akademischen Größen, die
ausgefeilte Vorträge über die Situationen von Menschen hielten, die sie im
besten Fall besucht haben mögen, mit denen sie aber nicht zusammen gelebt
haben. Diesmal kamen die Betroffenen selbst, um ihre Situation darzulegen.
Zum Beispiel von einer Welthandelsorganisation, die den Bauern globalisierte
HANDELSBEDINGUNGEN AUFZWINGT UND DIE Erdnußpreise so sehr drückt, daß die
indischen Erdnußbauern sie nicht mehr unterbieten können und in Indien, wo die
Dinger nun mal wachsen, jetzt größtenteils kalifornische Erdnüsse verkauft
werden. Schwachsinn? Nein, freie Marktwirtschaft!
Oder von einer Wirtschaftsordnung, die nur dem Gewinninteresse folgt und dabei
die Vernichtung ihrer sozialen und ökologischen Lebensgrundlagen in Kauf nimmt.
(...)
Höhepuntk der "interkontinentalen Karawane für Solidarität und
Widerstand", wie
das "Verrücktenprojekt" offiziell genannt wird, war der G7/g8-Gipfel im Juni in
Köln, Treffpunkt der mächtigsten Industrienationen.
Hat die Karawane etwas gebracht? Auf jeden Fall Aufmerksamkeit. Vielleicht
Nachdenken. Ganz bestimmt den Austausch von Erfahrungen und Wissen. "Wie tief
mußt Du hier graben, um Wasser für Deine Felder zu finden?" fragte ein indischer
Bauer eine Klosterdorfer Bäuerin. "Nun ja", daraufhin diese etwas ratlos,
"eigentlich kommt unser Wasser aus der Leitung...!
Weitere Infos: Inter Continental Caravan (ICC), c/o Gabriele Weineck, Bänschstr.
67, 10247 Berlin-Friedrichshain, e-mail: h0444r46@hu-berlin.de
Hintergrundsinformationen: Peoples' Global Action (PGA), Internet:
http://www.agp.org
e-mail: pga@agp.org