Edeka outet sich als Gentechnik-Händler
Greenpeace protestiert vor Supermarkt in Hamburg-Eidelstedt
Hamburg, 20.08.1999 Edeka ist unter den deutschen Handelskonzernen derzeit das Unternehmen, das am deutlichsten auf Gentechnik setzt. Deshalb haben Greenpeace-Aktivisten heute Morgen vor dem Edeka-Einkaufscenter in Hamburg-Eidelstedt gegen gentechnisch manipulierte Nahrungsmittel in den Regalen des Handelskonzerns protestiert. Vom Turm vor dem Einkaufszentrum entrollten sie ein Banner mit der Aufschrift "Vorsicht! Edeka verkauft Gentechnik". Bis zum Geschäftsschluss werden an die Kunden Flugblätter über gentechhaltige Edeka-Produkte verteilt.
"In den Filialen der Handelskette wird zum Beispiel Katzen- und Hundefutter mit gentechnisch veränderten Sojabohnen unter den Marken ‚Gut und Billig‘ und ‚domino‘ verkauft, ohne die Ware zu kennzeichnen", sagt Christoph Then, Gentechnikexperte bei Greenpeace. Daneben wurden Schokoriegel und andere gekennzeichnete Gentech-Produkte in den letzten Wochen immer wieder in Edeka Filialen gefunden. Edeka vertreibt nicht nur Lebensmittel, viele werden auch im Auftrag der Edeka und ihrer Handelspartner für die sogenannten Eigenmarken hergestellt.
Edeka hatte 1997 in einem Schreiben an Greenpeace noch umfassende Verbraucherinformationen und die Gentechnikfreiheit ihrer Eigenmarken versprochen. Dagegen verweist das Unternehmen inzwischen darauf, dass man sich an die gesetzlichen Kennzeichnungsbestimmungen halten würde und man sich "nicht der (...) Initiative für Gentechnikfreiheit" anschließe. Anders als die Handelsunternehmen Tengelmann und Rewe weigert sich die Edeka, Angaben darüber zu machen, inwieweit in Produkten für die Eigenmarken gentechnisch veränderte Pflanzen eingesetzt werden. Tengelmann und Rewe hatten gegenüber Greenpeace erklärt, dass sie durch umfangreiche Kontrollmaßnahmen genmanipulierte Pflanzen aus ihren Eigenmarken verbannen würden.
Da die Kennzeichnungspflicht nur einen Bruchteil der Nahrungsmittel umfasst und Kennzeichnungen außerdem oft nur mit der Lupe zu finden sind, verlangt Greenpeace von der Edeka-Gruppe ihre Verbraucherverantwortung endlich ernst zu nehmen. "Die Verbraucher müssen umfassend informiert werden, um bewusst einkaufen zu können", sagt Christoph Then. Greenpeace fordert die Edeka auf, in den eigenen Marken definitiv auf die Verwendung von gentechnisch veränderten Pflanzen zu verzichten und auch alle anderen Gentech-Produkte aus dem Sortiment zu nehmen.
Edeka ist zusammen mit seinem Handelspartner Ava die Nummer eins unter den deutschen Lebensmittelhändlern. Die Edeka/Ava-Gruppe, die auch coop-Märkte und Karstadt beliefert, bringt es derzeit im Lebensmittelbereich auf einen Umsatz von über 38 Milliarden DM. Die Edeka/Ava Gruppe lässt unter den Namen "Gut und Billig", "Asia House", "Gemüse Küche", "Schlemmerküche", "Bancetto", "eka", "Euroshopper", "Kings Gold", "fisch fein", "Rio Grande", "Gelato Mario", "domino" sogenannte Eigenmarken herstellen, mit denen sie derzeit etwa fünf Prozent des Umsatzes erzielt.