Philosoph Sloterdijk wirft Habermas "jakobinische" ..
dpa 19.09.99 06:16
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Philosoph Sloterdijk wirft Habermas "jakobinische" Denunziation
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München/Berlin (dpa) - Der Philosoph Peter Sloterdijk hat im Streit über die Bewertung der Gentechnologie seinem Kollegen Jürgen Habermas Denunziation vorgeworfen. In einem Gespräch mit dem Berliner "Tagesspiegel" (Sonntagausgabe) hielt er Habermas vor, in der Auseinandersetzung mit ihm nicht zu argumentieren, sondern "in klassisch jakobinischer Art" zu denunzieren und "aus der Denunziation heraus" sofort zu verurteilen.
Sloterdijk hatte in einem Interview des deutschen Nachrichtenmagazins "Focus" die Thesen seines umstrittenen Vortrags "Regeln für den Menschenpark" verteidigt. Zur Kritik, er verwende distanzlos Worte wie "Menschenzüchtung" und "Selektion", sagte er: "Man muss endlich begreifen, dass Menschen seit jeher 'gemacht' werden, und zwar in allen Kulturen: allerdings bisher nur durch ein Zusammenspiel von Klassen- und Kastenregeln, Heiratsregeln und Erziehungsregeln - das sind alles Selektions- und Kombinationsregeln."
Im Hinblick auf die von ihm so bezeichneten "Anthropotechniken" der Gen-Labore forderte Sloterdijk im "Tagesspiegel" eine neue Stufe der Aufklärung: "Wir müssen die Geschichte der Menschen anders erzählen. Seit Menschen in Häusern leben, ist auf dieser Erde ein unheimliches Großexperiment mit dem Lebendigen im Gang, das wir Domestikation nennen. Geschichte ist Haustierzeit. Jeder Hund ist ein genbehandelter Wolf. Alles spricht dafür, dass auch der Mensch sich autoplastisch und tendenziös fortgepflanzt hat: nach strengen Heiratsregeln, in Clans, Kasten, Klassen und anderen Kombinationsbeschränkungen", sagte Sloterdijk dem "Tagesspiegel".
Er könne eine gewisse "hypokritische Technikfeindschaft nicht leiden", meinte der Philosoph. Sie stamme meistens von schönen Seelen, "die selber Tag und Nacht am Technik-Tropf hängen". Auf die Frage, ob die "holländische Gen-Tomate", die groß und fest nach nichts schmecke, nicht Vorbehalte gegenüber der Gentechnologie bestätige, antwortete er: "Ich kenne viele Menschen, die ohne jede Genbehandlung nach gar nichts schmecken. Wenn ich an meine völlig naturbelassenen Denunzianten denke, würde ich allerdings wünschen, die Kunst, gebildete und sympathische Menschen hervorzubringen, wäre doch schon ein wenig weiter." dpa si/mo yy ra