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20.9.

Gentech: USA gehen Klinken putzen bei störrischen Europäern

Hamburg, 20.9.99. Nachdem die Wiener Verhandlungen um ein
Übereinkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt am Sonntag
ohne Ergebnisse zu Ende gegangen sind, schlägt wieder die
Stunde der Unterhändler: Derzeit ist der US-amerikanische
Staatssekretär für internationalen Handel, David Aaron, in
Europa unterwegs, um die EU-Staaten auf Genfood einzuschwören.

Die Konferenz in Wien, auf der im Rahmen des "Übereinkommens zum
Schutz der biologischen Vielfalt? auch ein internationales Abkommen zum
Handel mit gentechnisch veränderten Organismen (GMO) geschlossen
werden sollte, ging wie die Vorläufer-Konferenz im Februar dieses Jahres
im kolumbianischen Cartagena ohne Ergebnisse zu Ende. Erneut scheiterte
ein Abschluss des Biosafety-Protokolls am Widerstand der USA und
anderer Mitglieder der so genannten Miami-Gruppe, zu der auch
Argentinien, Australien, Chile, Kanada und Uruguay zählen.
Die Verhandlungen sollen nun im Januar 2000 fortgesetzt werden.

Dennoch geraten die Vertreter der Genfood-Lobby, die den freien
weltweiten und unreglementierten Einsatz von Gentechniken
propagieren, weiter unter Druck. So haben etwa afrikanische
Länder ihren energischen Widerstand gegen den ungehinderten
Handel und Einsatz von GMOs angekündigt. Ihr Sprecher Dr.
Tewolde Egziabher: "Das Recht, Nein zu sagen, ist fuer uns eine
Frage des Überlebens.?

Nein, völlig falscher Ansatz, argumentiert dagegen David Aaron,
Staatssekretaer im US-Handelsministerium, und US-Unterhaendler
für die Interessen der Gentechnik-Lobby: "Nicht Biotechnologie,
sondern Hunger ist unser Feind?.

Aaron ist derzeit auf Tour durch europäische Hauptstädte, um
die dort aufkeimenden Bedenken gegen Genfood zu zerstreuen und
um die EU-Regierungen auf mehr Engagement in der Sache
einzuschwören. Aaron am 17. September bei seinem ersten
öffentlichen Auftritt im European Policy Center in Brüssel an die Adresse
europäischer Politiker: "Zu wenige Führerpersönlichkeiten
machen sich die Mühe, diese Zweifel, das Unwissen und die
Ignoranz in der Sache durch Erziehung persönlich zu zerstreuen.?

Die Rede von David Aaron ist ein weiteres Indiz dafür, dass sich
zwischen den USA und der EU nach den Auseinandersetzungen
um Bananen-Importe und Hormon-Fleisch ein weiterer Handelskrieg
anbahnt. David Aaron in unverhohlener Anspielung auf die erfolgreiche
WTO-Klage der USA im Fall der Hormonfleisch-Importe in die EU:
?In jeder Debatte gibt es einen Punkt, an dem unsere verbrieften
Rechte ins Spiel kommen.?