Europarat lehnt Patente auf Gene und Zellgewebe ab
dpa 23.09.99 07:57
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Europarat lehnt Patente auf Gene und Zellgewebe ab
Straßburg (dpa) - Die Parlamentarische Versammlung des Europarates hat sich gegen die Patentierung von Genen und Zellen ausgesprochen. Weder das genetische Erbgut von Menschen, Tieren und Pflanzen noch Zellen, Organe oder Gewebe könnten als Erfindungen betrachtet werden, hieß es in einer am Donnerstag in Straßburg verabschiedeten Empfehlung an die Regierungen der 41 Europarats-Staaten.
Mit ihrer Entscheidung stellt sich die Parlamentarische Versammlung des Europarates gegen eine vor kurzem in Brüssel erlassene EU-Richtlinie, die das Patentieren von Genen, Zellen und Organen von Menschen, Tieren und Pflanzen zulässt.
In ihrer Empfehlung würdigen die Abgeordneten zwar die Patentierung von Erfindungen als "einen bestimmenden Aspekt der Marktwirtschaft" und Motor von Innovation und Fortschritt. Patente auf Entdeckungen von Gensequenzen bei lebenden Organismen würfen jedoch schwerwiegende Probleme auf. Die regionale und weltweite genetische Vielfalt wäre bedroht.
Landwirte und Entwicklungsländer wären in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht, weil sie für die Nutzung von Saatgut Lizenzgebühren an die Rechteinhaber der Genpatente zahlen müssten. Die Abgeordneten schlugen außerdem die Schaffung eine Verhaltenskodex für Wissenschaftler und Labors vor, die auf dem Gebiet der Biotechnologie forschen. Dieser Kodex solle weltweit freien wissenschaftlichen Zugang zum genetischen Erbgut garantieren. Gewinne aus der Nutzung genetischer Ressourcen müssten auch dem Ursprungsland zugute kommen.
Der deutsche sozialdemokratische Abgeordnete und Berichterstatter des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Wolfgang Wodarg (SPD), bezeichnete die Patentierung von Genen als "Biokolonialismus". So habe ein englischer Konzern die Heilkräfte des indischen Neembaums, die chemische Zusammensetzung seiner Säfte und deren genetischen Grundlagen erfolgreich als Patent angemeldet. "Wenn Indien jetzt seine traditionelle Nutzpflanze selbst nutzen wollte, müsste es an diesen Konzern hohe Lizenzgebühren zahlen", erklärte Wodarg. dpa jl xx hi