Streit um Gentechnik erreicht Asien
Deutsche Presse-AgenturFreitag, 5. November 1999 10:15:00
Copyright dpa, 1999
Streit um Gentechnik erreicht Asien
Singapur (dpa) - Die allgegenwärtige Sojabohne ist Schuld, dass
die hitzige Debatte um gentechnisch veränderte Lebensmittel jetzt
auch Asien erfasst. Vor allem geht die Sorge um, dass die in Europa
umstrittenen Produkte nun mit aller Macht in Fernost auf die Märkte
geworfen werden. "Es ist traurig, dass außerhalb Japans nirgendwo in
Asien ein Bewusstsein für die Gefahren besteht", klagt die "Business
Times" in Singapur.
Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace hat herausgefunden, dass
etwa in Hongkong populäre Soja-Produkte auf dem Markt sind, die
genetisch veränderte Grundsubstanzen enthalten: Sojamilch, Tofu und
Sojaöl - natürlich ohne Kennzeichnung, denn dafür fehlen fast überall
in Asien die gesetzlichen Grundlagen. Nur Japan will im nächsten Jahr
damit voran gehen.
Greenpeace-Sprecherin Luisa Tam in Hongkong äußert den Verdacht,
dass der US-Konzern Monsanto und andere nun in Asien eine Offensive
für genmanipulierte Lebensmittel gestartet haben, damit dort Produkte
abgesetzt werden, die in Europa niemand haben will. Sie forderte die
Regierung Hongkongs auf, sofort eine Kennzeichnungspflicht
einzuführen.
In Thailand sehen sich plötzlich die Exporteure von Tunfisch in
Dosen dem Vorwurf ihrer europäischen Handelspartner ausgesetzt,
gentechnisch manipulierte Produkte anzubieten. Dabei geht es nicht um
den Fisch, sondern um das Sojaöl, in dem er schwimmt. Denn das stammt
aus genveränderten US-Bohnen. "Wir sitzen zwischen den Stühlen", sagt
Pairash Thajchayapong von der Agentur für Technologische Entwicklung
in Bangkok.
Obwohl in Thailand der Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen
verboten ist, wurden auf Feldern veränderte Baumwollpflanzen gefunden
und geerntet, deren Samen angeblich aus Labors von Monsanto stammen.
Befürworter der Gentechnik propagieren auch in Asien die Vorteile
schädlingsresistenter Hochertragssorten. Schon wird über Bananen
spekuliert, die eines Tages einen Malaria-Impfstoff gleich mitliefern
könnten. Gegner warnen vor den katastrophalen Folgen etwa in der
Gestalt von "Super-Unkraut" und steriler "Terminator-Samen", die
Bauern zwingen, jedes Jahr neues Saatgut zu kaufen.
Dessen ungeachtet propagiert die Volksrepublik China mit Macht den
Anbau von gentechnisch veränderter Baumwolle, von Tomaten und Mais,
die gegen Insekten und Krankheiten resistent sein sollen. "Die
Gentechnik bringt enormen Nutzen, und die Risiken sind relativ
klein", sagte Professor Wang Guoying vom Biologischen Institut der
Chinesischen Agrar-Universität.
Gentechnisch veränderte Tomaten, die nach der Ernte noch mehr als
einen Monat vermarktet werden können, werden in der Provinz Hubei
bereits in großem Stil angebaut. Von Protesten ist nichts bekannt.
Genveränderte Sojabohnen werden in großen Mengen aus den USA
importiert.
Riesige Wassermelonen, die es früher nicht gab, wecken Zweifel.
"Wie sind diese Dinger gewachsen? Was für eine Technologie ist das?
Niemand sagt den Verbrauchern irgendetwas", meint Ding Huadi vom
chinesischen Zentrum für Lebensmittel-Entwicklung.
Malaysia hat inzwischen sogar die Vermarktung gentechnisch
veränderter Lebensmittel gesetzlich zugelassen. Nach Angaben der
Verbraucherschutz-Organisationen CAP sind dort die selben
Soja-Produkte auf dem Markt, die in Hongkong gerade Aufregung
verursachen. "Außerhalb der Umweltverbände und der Wissenschaft ist
das öffentliche Bewusstsein sehr begrenzt", sagt eine Sprecherin.
dpa tl xx ja