1.12.99
Gift aus gentechnisch verändertem Mais gelangt in Boden
London (dpa) - Der gentechnisch veränderte Bt-Mais gibt
das von ihm produzierte Insektengift in den Boden ab. Das
berichten Wissenschaftler der New York University im britischen
Fachjournal "Nature" (Bd. 402, S. 480) vom Donnerstag. Sowohl
an Maispflanzen, die auf künstlichem Nährsubstrat wuchsen,
als auch an Pflanzen, die auf natürlichen Boden standen, fanden
Deepak Saxena und Mitarbeiter das Gift in unmittelbarer Wurzelnähe.
Das Gift-Gen stammt aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis.
Offensichtlich gibt der Mais das Insektengift über seine Wurzeln
in den Boden ab, wo es nach Angaben der Wissenschaftler über die
gesamte Versuchdauer von 234 Tagen aktiv blieb. Vermutlich
bindet es sich an feine Bodenpartikel, wo es vor einem Abbau
geschützt ist.
Wie die Wissenschaftler betonen, gibt es keine Hinweise
darauf, ob das von den Wurzeln abgegebene Gift irgendwelche
Auswirkungen auf im Boden lebende Insekten hat. Das Bt-Toxin
wird auch in der biologischen Schädlingsbekämpfung verwendet
Der Bericht der New Yorker Forscher ist ein weiterer Hinweis,
dass gentechnisch veränderter Mais in unerwünschter Weise
Bt-Toxin in die Umwelt entlässt. Das ursprünglich aus dem
Bakterium B. thuringiensis stammende Gift-Gen wurde auf den
Mais übertragen, um ihn vor Fraßschäden durch den Maiszünsler
und andere Raupen zu schützen. Das Bt-Toxin wirkt speziell
gegen Schmetterlingsraupen.
In wie weit das durch den Mais in die Umwelt gelangende
Gift in natürlicher Umgebung Schäden unter den Insekten
anrichtet, ist unter den Fachleuten umstritten. Im Mai dieses
Jahres hatten Wissenschaftler der Cornell University eine Studie
über eng umgrenzte Fütterungsversuche mit Pollen von Bt-Mais
veröffentlicht. Raupen von Monarch-Schmetterlingen, die im
Laborversuch künstlich mit Pollen bestäubte Blätter fraßen,
zeigten Entwicklungsstörungen oder gingen sogar zu Grunde.