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Gentechnik: 

Einer reicht: Gentech-Karpfen gefährdet gesamte
Karpfenpopulation


(Meldung vom 6.12.1999) 

Karpfen, die zusätzlich das Gen für das menschliche
Wachstumshormon tragen, werden etwas größer und sterben
etwas früher. Wird ein einziger dieser
gentechnisch-veränderten Fische in die Umwelt entlassen,
könne lokal die ganze Karpfenpopulation aussterben, warnen
die Forscher William Muir und Richard Howard von der
Purdue Universität. Sie nennen ihr Szenario die Hypothese
vom Trojanischen Gen: “Es sieht verführerisch aus und
zerstört dann die ganze Population." Die Arbeit ist in der
Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of
Sciences veröffentlicht. 

Verführen lassen sich vor allem die Fischweibchen. Sie
bevorzugen die größeren Männchen, also die
Gentech-Karpfen. Diese müssten sich demgemäß schneller
fortpflanzen als die normalen Fische. Wie die Forscher
allerdings entdeckten, wählen die Weibchen mit den
größeren Gentech-Karpfen auch die weniger lebensfähigen
Fische. Denn nur gerade zwei Drittel der Karpfen mit dem
menschlichen Wachstumshormon erreichen das
fortpflanzungsfähige Alter. 

Die Forscher wollten wissen, welche der beiden
gegenläufigen Tendenzen in einer gemischten
Fischpopulation dominiert. Sie simulierten im Computer
eine Karpfenpopulation mit 60000 Tieren, wovon nur gerade
60 gentechnisch-verändert waren. Das Resultat war
eindeutig. Innerhalb von 40 Generationen starb die gesamte
digitale Karpfenpopulation aus. Auch ein einziger
Gentech-Fisch genüge, so die Forscher, um die gemischte
Population auszuradieren. Es dauere dann einfach etwas
länger. Muir fasst zusammen: “Durch sexuelle Selektion
verbreitet sich das Gen für das menschliche
Wachstumshormon in der ganzen Population und die
reduzierte Lebensfähigkeit führt die Population
schließlich in den Tod." Eigentlich sei das ein komisches
Szenario, so Muir weiter, denn hier obsiege letztendlich
der am wenigsten Überlebensfähige – dies widerspreche
Darwins Theorie fundamental. 

Der ehemalige Vorsitzende des Beraterkomitees in Sachen
gentechnisch-veränderter Organismen in England, John
Beringer, kommentiert: “Die Resultate werden es jenen sehr
schwer machen, die gentechnisch-veränderte Fische mit
zusätzlichen Wachstumshormonen freisetzen wollen." Dies
richtet sich wohl vor allem an jene britischen und
amerikanischen Forscher, die mit Hilfe von menschlichen
Wachstumshormonen den Fleischanteil in Lachsen steigern
möchten. Muir und Howard fordern generell, dass alle
gentechnisch-veränderten Tiere vor der Freisetzung in
intensiven ökologischen Tests begutachtet werden müssten.
Gelingt den Forschern noch, ihre Resultate in
Tierversuchen auf Fischfarmen zu bestätigen, dürften
ähnliche Tests bald Standard werden. 


[Quelle: Marcel Falk und PNAS 96(24):13853-13856] 

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