Greenpeace
Presseerklärung vom 13. Dezember 1999
Europa sagt Nein zu Gen-Soja-Importen aus den
USA - Greenpeace-Aktion gegen Frachter im
Hamburger Hafen
Hamburg, 13.12.1999 ? Gegen den Import der neuen
Gen-Soja-Ernte aus den USA nach Europa protestieren 20
Greenpeace-Aktivisten seit heute Morgen im Hamburger Hafen.
Zwei Umweltschützer haben von Schlauchbooten aus die
Bordwand des mit 60.000 Tonnen nordamerikanischer Gen-Soja
beladenen Frachters "Yoki" erklettert und zwischen den
Ankern ein Transparent gespannt mit der Aufschrift "No
Gen-Food". Die Ladung aus New Orleans ist fuer die Ölmühle
Hamburg bestimmt, die der US-Firma Archer-Daniels-Midland
(ADM) gehört.
Die Firma ADM, mit Sitz in Decatur/Illinois, ist in
Deutschland der größte Verarbeiter genmanipulierter Soja aus
den USA. "ADM verhält sich unverantwortlich", wirft
Greenpeace-Experte Christoph Then dem Unternehmen vor. Die
Ölmühle Hamburg verarbeitet einige Tausend Tonnen Soja pro
Tag, ohne dass sie die genmanipulierte Ware trennt. Zwar hat
die Firma angekündigt, den Wunsch der europäischen
Verbraucher nach gentechnikfreier Ware zu respektieren. "ADM
ist aber einfach nicht glaubwürdig, wenn sie uns ständig
genmanipulierte Soja unterschiebt."
Etwa 55 Prozent der US-amerikanischen Soja-Importe sind
genmanipuliert. Der überwiegende Teil der Importe wird als
Futtermittel benutzt, ohne dass die Landwirte wissen, ob sie
gentechnisch veränderte Ware an ihr Vieh verfüttern. Bisher
können die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland
relativ sicher sein, dass Supermärkte keine genmanipulierten
Produkte anbieten. Doch über die Futtermittel bekommen sie
die Gentechnik über das Fleisch doch auf den Teller. "Wir
fordern, den Import von gentechnischer Ware nach Europa zu
stoppen. Die Verbraucher wollen diese Ware nicht", sagt
Then.
Die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in
Braunschweig hat in diesem Jahr festgestellt, dass die
Versuche, die die US-Firma Monsanto zur Zulassung ihrer
Gen-Soja durchgeführt hatte, wissenschaftlich unzureichend
waren. Zudem führt die Manipulation, die die Pflanzen gegen
Herbizide resistent macht, auch zu einer Umstellung des
Stoffwechsels der Pflanze. Das Ergebnis: In trockenen und
heißen Monaten platzen die Stängel der Pflanzen auf und
brechen ab. "Das zeigt, wie wenig Monsanto tatsächlich über
die Wirkung seiner genmanipulierten Produkte weiß", so Then.
Die Farmer in den USA reagieren inzwischen auf die Ablehnung
der europäischen Verbraucher und beginnen, unveränderte Soja
getrennt zu ernten und zu lagern. Für das Jahr 2000 wird
eine verstärkte Trennung und sogar ein Rückgang der
Anbaufläche für genmanipulierte Soja erwartet. Der
zweitgrößte Soja-Anbieter Brasilien profitiert bereits von
diesem Trend. Der Großteil der Ernte in dem Land ist
unbedenklich. Der Anteil der Soja-Importe aus Brasilien in
die Europäische Union stiegen von 1996 bis 1998 von 3 auf
6,4 Millionen Tonnen.