Presseerklärung vom 15. Dezember 1999
Greenpeace deckt auf: Steriles "Terminator"-Saatgut wird erstmals in Europa patentiert Protest-Aktion vor Europäischem Patentamt in München
Hamburg, 15.12.1999 - Das Europäische Patentamt (EPA) in München wird erstmals in Europa ein Patent auf das umstrittene "Terminator"-Saatgut erteilen. Dieses Saatgut lässt sich durch gentechnische Manipulation nur einmal aussäen, da die Ernte steril ist, was weit reichende Nachteile für die Bauern hat. Die illegalen Zusagen für diesen und zehn weitere Patentanträge auf Leben hat Greenpeace bei einer Recherche im EPA aufgedeckt.
Aus Protest gegen diese Patentierung haben zehn Greenpeace-Aktivisten heute Morgen vor dem EPA eine 3,5 mal 2,5 Meter große Plakatwand aufgebaut, auf der der Präsident des Amtes, Ingo Kober, zu sehen ist - mit dem Schriftzug "Ich patentiere Leben, damit Konzerne aus Genen Kohle machen". Greenpeace fordert Kober auf, die Patent-Zusagen zurückzunehmen und keine weiteren Patente auf Leben zu erteilen, wie es das EPA seit 1. September widerrechtlich tut.
Der Antrag auf das "Terminator"-Saatgut stammt von der Firma Plant Genetic Systems, die zum Life-Science-Konzern Hoechst-Aventis gehört. Der Antrag umfasst Pflanzen, Saatgut und Früchte. Von der "Terminator"-Technologie, die auch andere Firmen verfolgen, werden massive soziale Folgen befürchtet. "Wenn Landwirte ihr Saatgut jedes Jahr erneut kaufen müssen, werden sie abhängiger von den Gen-Konzerne", erklärt Christoph Then, Gentechnik-Experte bei Greenpeace. "In Entwicklungsländern wird die Struktur der Landwirtschaft zerstört, die auf Austausch zwischen Bauern und Wiederaussaat der Ernte angewiesen ist." Wenn die Gen-Konzerne und Saatgut-Firmen ihre Patent-Pläne durchsetzen, dann droht die weltweite Monopolisierung von Saatgut. Aus diesem Grund haben französische und US-amerikanische Landwirtschaftsbetriebe eine Sammelklage gegen den Konzern Monsanto eingereicht, wie heute bekannt wurde.
"Dieses Patent zeigt, was die Gen-Konzerne wollen: die Ernährung der Welt unter ihre Kontrolle bekommen durch Patente, Firmenaufkäufe und durch den Verkauf von Terminator-Saatgut", sagt Then. "In Zukunft können Konzerne wie Hoechst-Aventis, Monsanto, DuPont, und Novartis die Preise für Tomaten ähnlich wie die für Arzneimittel bestimmen."
Der Patent-Fund beweist auch, dass das Europäische Patentamt tatsächlich im September begonnen hat, Patente auf Lebewesen zu erteilen. Greenpeace hat unter 100 Anträgen insgesamt zehn Zusagen für Patent-Erteilungen auf Pflanzen und eine auf Tiere gefunden. Die Patentierung von Pflanzen und Tieren wurde jedoch 1995 nach einem Einspruch von Greenpeace verboten. Auch Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin vertritt in einem Brief an Greenpeace die Auffassung, dass Patente auf Leben aufgrund der gültigen Rechtslage nicht erteilt werden können.
Die Veröffentlichung wird das EPA wohl noch einige Monate verzögern, aber in den Akten befindet sich bereits jetzt eine Mitteilung, dass das Amt die Patente erteilen wird. Sie umfassen genmanipulierte Tomaten, Gurken, Kartoffeln, Mais, Weizen, Sojabohnen, Reis und Obstbäume, aber auch Chrysanthemen, Rosen, Pfeffer, Waldbäume und darüber hinaus alle kommerziell nutzbaren Pflanzen.