Harte Kritik an gentechnisch verändertem Saatgut in USA...

Deutsche Presse-Agentur
Mittwoch, 15. Dezember 1999 15:54:00 


Copyright dpa, 1999 

Harte Kritik an gentechnisch verändertem Saatgut in USA und Europa 
St. Louis/München (dpa) - Die Verwendung von gentechnisch
verändertem Saatgut in den USA und Europa stößt immer stärker auf
Kritik. Landwirte in den USA klagen nach US-Medienberichten vom
Mittwoch gegen den Biotechnikriesen Monsanto Company (St.
Louis/Missouri).
Er soll das Gensaatgut nicht ausreichend geprüft haben,
Kartellabsprachen getroffen und zudem die Kritik der Europäer an der
gentechnisch veränderten Saat verschwiegen haben. Die amerikanischen
Landwirte befürchten, dass sie das für den Export bestimmte
Gensaatgut nicht absetzen oder von dem restlichen Saatgut strikt
trennen müssen.
Zugleich protestierte am Mittwoch in München die
Umweltorganisation Greenpeace vor dem Europäische Patentamt (EPA)
gegen die Patentierung von gentechnisch verändertem "Terminator"-
Saatgut. Der genetische Eingriff führt zu sterilen "Terminator"-
Pflanzen, die keine neue Saat hervorbringen können. Dies hat laut
Greenpeace weit reichende Nachteile für die Bauern.
Der Patent-Antrag für das "Terminator"-Saatgut stammt nach
Greenpeace-Angaben von der Firma Plant Genetic Systems, die zum
Pharma-Konzern Hoechst-Aventis gehöre. Nach internationalen Protesten
gegen die "Terminator"-Gentechnik hatte Monsanto bereits im Oktober
1999 schriftlich versichert, keine sterilen Pflanzen auf den Markt zu
bringen.
Die derzeitigen Klagevorwürfe der amerikanischen Landwirte wies
Monsanto dagegen als "absolut grundlos" zurück. "Alle Monsanto-
Saatgut-Produkte wurden jahrelang rigoros geprüft, um ihre Sicherheit
sowie ihre Umwelt- und Leistungseigenschaften zu testen bevor sie auf
den kommerziellen Markt kamen", hieß es in einem Monsanto-Statement.
In der Klage bei einem Gericht in Washington wurde Monsanto
vorgeworfen, genetisch verändertes Mais- und Sojabohnen-Saatgut nicht
ausreichend getestet zu haben.
Hinter der Klage stehen nach Medienangaben mehrere Landwirte sowie
die National Family Farm Coalition, eine Interessensvertretung
bäuerlicher US-Kleinbetriebe. Mehrere US-Anwaltsfirmen wollten jetzt
Sammelklagenstatus erreichen, um so für Zehntausende amerikanischer
Bauern Schadenersatz zu erreichen. Die Klage werde jedoch nicht von
den großen US-Bauernverbänden unterstützt.
Nach Auskunft des US-Fachjournals "Science" (Bd. 285, S. 387) vom
Juli 1999 entfielen im vergangenem Jahr weltweit 74 Prozent der mit
Gen-Feldfrüchten bewachsenen Landwirtschaftsfläche auf die USA, 15
Prozent auf Argentinien, ein Zehntel auf Kanada und nur ein
Hundertstel auf Europa und dem Rest der Welt.
In den USA verzehnfachte sich diese Fläche 1997 auf elf Millionen
Hektar und betrug im vergangenen Jahr bereits 27,8 Millionen.
Washington erwartet für das Jahr 2000 einen Ertrag von drei
Milliarden Dollar aus den Gentech-Pflanzen, sechs Milliarden Dollar
bis zum Jahr 2005 und 20 Milliarden in 2010.
Die amerikanischen Farmer hatten in den vergangenen Jahren in
großem Stil genetisch verändertes Saatgut eingesetzt, weil sie damit
ihren Einsatz an Insektenvertilgungsmitteln reduzieren und die
Ernteerträge steigern konnten.
Vor allem der so genannte Bt-Mais geriet nach einem Laborversuch
jedoch in die Kritik. Er wird nicht mehr von Maiszünsler angefressen.
In einem Laborversuch an der Cornell-Universität in Ithaca (New York)
starben Larven des Monarchfalters nach dem Verzehr von Bt-Maispollen,
wie das Fachjournal "Nature" (Bd. 399, S. 214) im Mai berichtete. Das
amerikanische Landwirtschaftsministerium beschwichtigte jedoch im
Juli, dass kein Test im Feld das Laborergebnis bisher bestätigt habe.
Unter Experten ist umstritten, ob Gentechnik-Pflanzen für die
Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung nötig sind. Weltbank-
Mitglied Ismail Serageldin zitiert in "Science" den Nobelpreisträger
Norman Borlaug, der schätze, dass die Landwirtschaft bis zum Jahr
2025 rund 80 Prozent mehr Getreide produzieren müsse, um den
steigenden Nahrungsbedarf bei fortschreitendem Verschleiß des
Agrarlandes wettzumachen.
Die ärmsten Länder der Welt würden darunter leiden, wenn die
Biotechnologie nicht für erhöhte und qualitativ verbesserte Ernten
sorgen dürfe. Viele Gentechnik-Kritiker bezweifeln jedoch, dass die
Menschen in den ärmeren Ländern künftig von Gentech- Pflanzen
profitieren werden.
dpa br/do/go/hu xx gp


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