Klage gegen Monsanto wegen gentechnisch veränderter..
Deutsche Presse-Agentur
Mittwoch, 15. Dezember 1999 13:42:00
Copyright dpa, 1999
Klage gegen Monsanto wegen gentechnisch veränderter Pflanzen
St. Louis (dpa) - Wegen seiner Rolle bei der Einführung von Gen-
Saaten haben Landwirte gegen den amerikanischen Biotechnikriesen
Monsanto in den USA geklagt. Die Monsanto Company (St.
Louis/Missouri) hat die Vorwürfe als "absolut grundlos"
zurückgewiesen.
In der Klage bei einem Gericht in Washington wurde Monsanto
vorgeworfen, genetisch verändertes Mais- und Sojabohnen- Saatgut
nicht ausreichend getestet zu haben ehe es auf den Markt kam. Das
Unternehmen soll auch ein Kartell von Saatgutproduzenten geführt
haben, um die Preise zu fixieren, berichteten US-Zeitungen am
Mittwoch.
Der Konzern habe seine Sorgfaltspflicht verletzt, weil er die
Sicherheit der Gen-Saaten für Mensch und Umwelt nicht ausreichend
geprüft habe. Hinter der Klage ständen mehrere Landwirte sowie die
National Family Farm Coalition, eine Interessensvertretung
bäuerlicher US-Kleinbetriebe, hieß es. Die Klage wird jedoch nicht
von den großen US-Bauernverbänden unterstützt.
Die amerikanischen Farmer hatten in den vergangenen Jahren in
großem Stil genetisch verändertes Saatgut eingesetzt, weil sie damit
ihren Einsatz an Insektenvertilgungsmitteln reduzieren und die
Ernteerträge steigern konnten.
Allerdings sorgen sich die US-Bauern auf Grund europäischer Kritik
um zukünftige Exportmöglichkeiten für Mais, Sojabohnen und andere
Agrarprodukte. In Washington laufen Anhörungen in denen sich
Befürworter und Gegner von genetisch verändertem Saatgut äußern
können. Vor diesem Hintergrund sehen viele Marktbeobachter die Klage
gegen Monsanto.
Die Klage wurde von mehreren prominenten US-Anwaltsfirmen
vorbereitet. Sie wollen jetzt Sammelklagenstatus erreichen, um so für
zehntausende amerikanischer Bauern Schadenersatz herauszuholen. Sie
wollen Monsanto auch zu weiteren Saatguttests zwingen lassen.
"Die Anschuldigungen, die von Langzeit-Gegnern der Biotechnologie
im Klagekontext gemacht worden sind, sind absolut grundlos", erklärte
Monsanto in einer am Dienstagabend veröffentlichten Stellungnahme.
"Wir vertrauen darauf, dass die Klage abgewiesen wird", erklärte der
Monsanto-Anwalt David Snively.
Saatgut, das besseren Insektenschutz und Toleranz gegen
Unkrautvernichtungsmittel biete, sei seit Mitte der neunziger Jahre
kommerziell verfügbar, erklärte Monsanto. "Alle Monsanto-Saatgut-
Produkte wurden jahrelang rigoros geprüft, um ihre Sicherheit sowie
ihre Umwelt- und Leistungseigenschaften zu testen bevor sie auf den
kommerziellen Markt kamen."
Das Biotechunternehmen verwies auch darauf, dass US-
Aufsichtsbehörden wie das Landwirtschaftsministerium, die
Umweltschutzbehörde und die Nahrungs- und Arzneimittelbehörde die
Monsanto-Erzeugnisse intensiv unter die Lupe genommen hätten.
Die Biotechnik-Konzerne stehen mit ihrem gentechnisch verändertem
Saatgutprodukten vor allem in Europa unter Beschuss, doch nimmt auch
die Kritik in den USA zu.
dpa br xx hu