Nachweise für Übertragung von BSE auf den Menschen ..
Deutsche Presse-Agentur
Dienstag, 21. Dezember 1999 15:37:00
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Nachweise für Übertragung von BSE auf den Menschen - neuer Test
Washington/Göttingen (dpa) - Jüngste Erkenntnisse zum
Zusammenhang zwischen Rinderwahnsinn und der neuen Form der
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJD) beim Menschen können nach
Expertenansicht zu einem neuen BSE-Test führen.
Ein gentechnisch veränderter Mäusestamm zeigte nach Infektionen
mit den Erregern von BSE und nvCJD identische Symptome. Der
endgültige Nachweis für eine Übertragung auf den Menschen bleibt nach
Expertenmeinung allerdings aus. Mit diesen Mäusen könnten Forscher
nun jedoch endlich prüfen, ob in Muskelgewebe BSE-Erreger sind, sagte
Walter Schulz-Schaeffer vom Referenzzentrum für Spongiforme
Enzephalopathien der Universität Göttingen (Niedersachsen) am
Dienstag.
Das schottisch-amerikanische Team benutzte gentechnisch mutierte
Mäuse, die in ihrem Gehirn das Prion-Protein gesunder Rinder
produzieren. Die Forscher injizierten den Mäusen dann veränderte
Prionen von BSE-kranken Rindern, erkrankten Gen-Mäusen und nvCJD-
kranken Menschen. Alle Mäuse hatten nach der Inkubationszeit von rund
250 Tagen die gleichen krankhaften Strukturen im Gehirn - die
Krankheit entsteht, wenn gesunde Prionen von kranken umgeformt
werden.
In einem Gegenversuch hatten die Forscher veränderte Prionen von
Scrapie-kranken Schafen in die Gen-Mäuse injiziert. Sie lösten völlig
andere Gewebeveränderungen im Gehirn aus. "BSE und die neuen Variante
von CJD erzeugen ein identisches Muster im Gehirn der Gen-Mäuse und
diese Charakteristika unterscheiden sich von anderen CJD-Erkrankungen
oder Scrapie des Schafes", kommentiert Mitautor Stephen DeArmond.
Diese Ergebnisse zeigten eindeutig, dass der selbe Stamm von Prionen
zu BSE und nvCJD führen könne.
Die Studie unter Leitung von Michael Scott vom San Francisco
Institute for Neurogenerative Disease ist in der jüngsten Ausgabe der
"Proceedings of the National Academy of Science" (Bd. 96, S. 15 137)
veröffentlicht. Leiter des Instituts ist Prof. Stanley Prusiner, der
für seine Arbeiten über Prionen 1997 den Nobelpreis erhalten hatte.
Ein Test auf Basis des Verfahrens eignet sich laut Schulze-
Schaeffer jedoch nicht für den Schlachthof, weil die Inkubationszeit
rund 250 Tage betrage. Ein BSE-Test auf Basis der Gen-Mäuse sei aber
interessant, weil dabei nun die Artenbarriere ausgeschaltet sei. "Das
Testsystem ist empfindlicher als alles, was wir bisher hatten." Mit
der Maus lasse sich die Infektiosität von Gewebe, Nahrungsmitteln
oder Kosmetika zu prüfen.
Es werde lange dauern, bis der volle Umfang der nvCJD-Epidemie in
Großbritannien deutlich sei, sagte der höchste medizinische Beamte
der britischen Regierung, Liam Donaldson. "Wir werden noch mehrere
Jahre lang nicht wissen, ob es sich um eine kleine Epidemie handelt -
in anderen Worten: mit Hunderten (von Kranken) - oder um eine sehr
große mit hunderttausenden", sagte er am Dienstag dem britischen
Rundfunk BBC. Die neuen Forschungsergebnisse stellten seiner Ansicht
nach jedoch den schlüssigsten möglichen Beweis für die Verbindung
zwischen BSE und nvCJD dar.
Schulz-Schaeffer verwies darauf, dass der endgültige Nachweis
noch aussteht. "Man bräuchte eine Maus, die das menschliche Prion-
Protein trägt in der Form wie es die nvCJD-Patienten schon im
gesunden Zustand haben." Diese müsste ebenfalls infiziert werden
können. "Wenn das gelänge, hätte man den formalen Beweis."
Nach Angaben der britischen CJD-Überwachungsstelle gibt es bisher
46 bestätigte sowie zwei mögliche Fälle der nvCJD.
dpa hu/eb xx gp