Kleines Lexikon der gentechnischen Verfahren am Men..
Deutsche Presse-Agentur
Donnerstag, 30. März 2000 02:03:00
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Kleines Lexikon der gentechnischen Verfahren am Menschen
(Mit Bild FKM04)
Hamburg (dpa) - Das Entschlüsseln von menschlichen Genen ist
Grundlage für folgende Analysen und Eingriffe:
DIAGNOSE
IM REAGENZGLAS: Ein Embryo wird nach einer künstlichen Befruchtung
auf defekte Gene untersucht (PRÄIMPLANTIVE GENETISCHE
DIAGNOSTIK/PGD). Gegebenenfalls wird es nicht in den Mutterleib
eingesetzt. Das Verfahren, auch Präimplantationsdiagnostik genannt,
ist in Deutschland verboten, in zehn anderen europäischen Ländern
jedoch erlaubt. Im Februar hat sich eine Kommission der
Bundesärztekammer für die PGD unter folgenden Bedingungen
ausgesprochen: Es muss sich um Paare handeln, die auf Grund von
Unfruchtbarkeit eine Reagenzglasbefruchtung wünschen und es muss ein
hohes Risiko für eine schwere Erbkranheit vorliegen.
IM MUTTERLEIB: Aus dem Fruchtwasser oder der Plazenta (Mutterkuchen)
werden Zellen entnommen. Wird ein genetischer Defekt am Embryo
festgestellt, ist ein Schwangerschaftsabbruch eine Ermessensfrage.
Seit 1995 sieht der § 218 für diese Fälle nur noch die medizinische
Indikation vor: Nicht die zu erwartende Schädigung des Kindes selbst,
sondern nur eine für die Mutter unzumutbare körperliche oder
seelische Beeinträchtigung ist ausschlaggebend.
BEI KINDERN UND ERWACHSENEN: Schon heute kann in jedem Alter der
Ausbruch einiger Krankheiten wie Veitstanz oder ein erhöhtes Risiko
für bestimmte Krebsarten vorausgesagt werden (PRÄDIKTIVE DIAGNOSTIK).
Das kann in einigen Fällen der Vorbeugung dienen. Diese Daten könnten
aber auch für Versicherungen und Arbeitgeber interessant werden.
THERAPIE
KEIMBAHNTHERAPIE: Dieser gentechnische Eingriff nach der künstlichen
Befruchtung betrifft alle Zellen, auch die Ei- oder Samenzellen des
entstehenden Menschen. Verändert wird nicht nur der behandelte
Mensch, sondern ebenso seine Nachkommen. Bei einer Keimbahntherapie
für einen Bluterkranken würde keiner seiner Nachkommen das defekte
Gen erhalten. Die Therapie ist in Deutschland und vielen anderen
Ländern verboten, medizinisch am Menschen noch nicht möglich und wird
vor allem aus Angst vor Menschenzüchtung von vielen abgelehnt.
Forscher haben schon viele Tiere mit veränderten Keimzellen
produziert. Doch beim Herstellen dieser Tiere entstehen immer noch
eine Vielzahl von kranken Jungen oder Totgeburten.
GENTHERAPIE VON KÖRPERZELLEN: Seit knapp zehn Jahren versuchen
Forscher, Menschen mit Erbkrankheiten oder auch Krebs
gentherapeutisch zu heilen. Sie schleusen beispielsweise neue Gene in
erkrankte Lungenzellen ein. Trotz einzelner Erfolge blieb ein
Durchbruch bislang aus. In den USA gab es mindestens einen Todesfall
im Zusammenhang mit einer Gentherapie. Die Therapie trifft auf
verhältnismäßig wenig ethische Bedenken. Es ist jedoch oft nicht
auszuschließen, dass dabei Gene auch in die Keimzellen gelangen.
THERAPEUTISCHES KLONEN: Forscher, vor allem in den USA, versuchen
derzeit neue Organe und Gewebe für die Therapie herzustellen. Dazu
nutzen sie beispielsweise ähnlich wie beim Klonschaf Dolly Zellen,
die aus dem Erbgut einer erwachsenen Zelle und einer entkernten
Eizelle entstanden sind. Bei diesem Klonverfahren werden ein
Embryostadium durchschritten und die Zellen zudem gentechnisch
verändert. Forschung an menschlichen Embryonen ist in Deutschland
verboten, in den USA aber im gewissen Umfang erlaubt.
dpa hu/ah yyzz ma