Skepsis über US-Erfolg bei Genforschung - Gen-Geset..
Deutsche Presse-Agentur
Freitag, 7. April 2000 18:13:00
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Skepsis über US-Erfolg bei Genforschung - Gen-Gesetze gefordert
Hamburg/Berlin (dpa) - Der US-Erfolg bei der Entschlüsselung des
menschlichen Erbgutes hat Skepsis und den Ruf nach neuen Gen-Gesetzen
ausgelöst. Deutsche Genexperten bemängelten, das Verfahren des US-
Unternehmens Celera Genomics sei zwar schnell, aber die Ergebnisse
seien noch sehr lückenhaft und bedürften einer aufwendigen
Nachbearbeitung. Anders als bei dem Verfahren des internationalen
Humangenomprojekts (HUGO) sei die Qualität der am Donnerstag als
bahnbrechend vorgestellten Ergebnisse gering. Deutsche Politiker
forderten gesetzliche Regelungen für die Gentechnik. "Hohe
Sicherheitsstandards sind erforderlich", sagte der Parlamentarische
Staatssekretär im Forschungsministerium, Wolf-Michael Catenhusen
(SPD), der Tageszeitung "Die Welt" (Samstagausgabe).
Forschern des an HUGO beteiligten Deutschen Humangenomprojekts
(DHGP) gelang indes, zusammen mit japanischen Wissenschaftlern das
zweite menschliche Chromosom komplett und in hoher Qualität zu
sequenzieren. Die detaillierten Ergebnisse zum Chromosom 21 würden in
wenigen Wochen in einer renommierten Fachzeitschrift publiziert,
sagte Prof. Andre Rosenthal, Leiter der Genomsequenzierung im DHGP
und des Instituts für Molekulare Biotechnologie (Jena), der dpa.
Die Meldung des US-Forschers und Celera-Präsidenten Craig Venter,
sein Unternehmen habe 99 Prozent des menschlichen Erbgutes
identifiziert, bezeichnete er als fragwürdig: "Was Celera anbietet,
weiß kein Mensch. Venter gibt keinerlei Qualitätsparameter zur Länge
oder Vollständigkeit der Gensequenzen an." Trotzdem gehe es jetzt
darum, den noch unvollständigen "Arbeitsentwurf" für das menschliche
Erbgut, an dem die HUGO-Forscher fieberhaft arbeiten, bis spätestens
Anfang Juni vorzulegen. Nur so könne verhindert werden, dass Venter
möglicherweise seine zwar unvollständigen, aber zahlenmäßig fast
kompletten Gensequenzen patentieren lassen könne.
"Patentiert werden sollten aber nur einzelne Gene mit
vollständiger Sequenz, deren Funktion zum einen klar bestimmt ist und
die von ökonomischem Nutzdn sind", sagte Rosenthal. Bis eine derart
hochwertige Blaupause des menschlichen Erbguts vorliege, dauere es
aber nochmals eineinhalb bis zwei Jahre.
Staatssekretär Catenhusen mahnte zur Vorsicht beim Umgang mit den
hochsensiblen Gen-Informationen. Er verwies auf freiwillige
Vereinbarungen zum Verzicht auf Gentests etwa zwischen Versicherungen
und der Politik in den Niederlanden. Der Bioethik-Experte der CDU,
Hubert Hüppe, forderte erst einmal nationale Standards: "Unsere
gesetzlichen Regelungen reichen offensichtlich nicht aus." Diese
Standards müssten auch auf europäischer und internationaler Ebene
durchgesetzt werden, sagte Hüppe der "Welt".
Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Ernst
Ludwig Winnacker, hat erst vor kurzem vor einer "Erbgut-
Monopolisierung" gewarnt. Diese müsse durch ein verschärftes
Patentverfahren und die Verpflichtung, patentierte Sequenzen zu
veröffentlichen, verhindert werden, sagte er in einem dpa-Gespräch.
Prof. Rudi Balling, der an der Technischen Universität München das
Institut für Entwicklungsgenetik leitet, warnte im Deutschlandfunk
vor zu viel Euphorie. Die eigentliche Forschungsarbeit und das
Zusammensetzen der Bruchstücke müsse erst noch geleistet werden.
Celeras Durchbruch sei nur deshalb am Donnerstag verkündet worden, um
einen besseren Börsenkurs zu erzielen. In der Tat schnellten die
Aktien von Celera Genomics schon am Mittwoch um 54 Prozent und am
Donnerstag um weitere 20 Prozent in die Höhe - ebenso wie zahlreiche
andere Biotechnologie-Werte.
dpa my/rh yyzz pn zi