Gentechnik:
Antibiotika-Resistenz durch Genpflanzen
(Meldung vom 12.4.2000)
Unter Laborbedingungen gelangen Gen-Bruchstücke aus Pflanzen in das
Erbgut von Bakterien. Die Wahrscheinlichkeit für diesen Vorgang in der
Natur ist jedoch äußerst gering und dürfte - verglichen mit dem natürlich
vorkommenden Genaustausch zwischen Bakterien - keine Rolle spielen.
In der Fachzeitschrift Nachrichtenblatt des Deutschen
Pflanzenschutzdienstes haben Kornelia Smalla und ihre Mitarbeiter von der Biologischen Bundesanstalt für
Land- und Forstwirtschaft (BBA) ihre Ergebnisse zu möglichen Risiken
von Antibiotika-Resistenzgenen in Genpflanzen vorgestellt. Die Autoren
schätzen das Risiko von Antibiotika-Resistenzgenen durch die
landwirtschaftliche Nutzung transgener Pflanzen als sehr gering ein.
Resistenzgene gegen Antibiotika dienen Gentechnikern als Markierung, um
festzustellen, ob eine Genübertragung erfolgreich verlaufen ist. Zusammen
mit den eigentlich interessierenden Genen - etwa für eine
Pestizidresistenz - werden sie in Pflanzenzellen hinein geschleust.
Untersuchungen der Forscher an Abwasser, Flusswasser, Schweinegülle und
Boden bewiesen, dass ein oft großer Anteil der dort lebenden Bakterien
antibiotikaresistent ist: In Bodenproben lag der Anteil bei maximal 5
Prozent und in einer Schweinegülleprobe fand die Arbeitsgruppe sogar 39
Prozent resistente Bakterien. Dies deutet auf ein großes Problem der
intensiven Nutztierhaltung hin: Die Hälfte aller Antibiotika werden hier
vor allem zu prophylaktischen Zwecken, zur Behandlung von Tierkrankheiten
und als wachstumsfördernde Futtermittelzusätze eingesetzt. Ohne eine
drastische Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes, so Smalla, werde sich
das Problem der Antibiotika-Resistenz verschärfen.
[Quelle: Frieder Graef]
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