WIPO diskutiert über Patentschutz für menschliches ..
Deutsche Presse-Agentur
Mittwoch, 19. April 2000 13:23:00
Copyright dpa, 2000
WIPO diskutiert über Patentschutz für menschliches Erbgut
Genf (dpa) - Die 107 Mitgliedstaaten der Weltorganisation für
Geistiges Eigentum (WIPO) wollen in den kommenden Monaten darüber
diskutieren, ob Teile des menschlichen Erbguts oder gentechnisch
veränderte menschliche Zellen internationalen Patentschutz genießen
sollen. Dabei stehe die Frage im Vordergrund, ob man einfach nur eine
Gen-Sequenz patentieren lassen darf, oder ob der Patentantrag auch
eine spezifische medizinische Anwendung beinhalten muss, sagte der
Direktor der UN-Organisation, Richard Wilder, am Mittwoch in Genf
nach einer Veranstaltung zum Thema "Geistiges Eigentum und genetische
Vielfalt".
Die Frage, ob es sich bei Gen-Sequenzen um "Erfindungen" mit
"Neuheitswert" handele, werde von den einzelnen Mitgliedstaaten sehr
unterschiedlich beantwortet. "Letztlich entscheidet jedes Land
eigenständig, ob es Patentschutz für Gene und Gen-Sequenzen
garantiert", sagte Wilder. "Die Technologie zur Entschlüsselung des
menschlichen Erbgutes ist noch ganz frisch und WIPO steht erst ganz
am Anfang der Diskussion." Es sei zwar denkbar, dass sich die
Mitgliedstaaten am Ende auf ein internationales Abkommen zur
Einschränkung der Patentierbarkeit des menschlichen Erbguts einigten.
Davon sei man derzeit aber noch weit entfernt.
Genomforscher hatten vor zwei Wochen einen Durchbruch bei der
Entschlüsselung des menschlichen Erbguts gefeiert, nachdem der
Präsident der US-Firma Celera Genomics Corp., Craig Venter, erklärt
hatte, das Unternehmen habe 99 Prozent des menschlichen Genoms
identifiziert. Von der Kenntnis der im Erbgut verborgenen rund 100
000 Gene werden bahnbrechende Fortschritte in der Medizin erwartet.
Celera will nur einen Teil ihrer Ergebnisse der Allgemeinheit zur
Verfügung stellt und für einige Gen-Sequenzen mit medizinischem
Nutzen Patentschutz beantragen.
Das Europäische Patentamt in München hatte im vergangenen Februar
nach Recherchen von Greenpeace eingeräumt, dass es erstmals ein
Patent auf gentechnisch veränderte menschliche Embryozellen erteilt
hat. Ein Sprecher des Amtes bezeichnete den Vorfall allerdings als
Versehen, da das Patent deutschen Gesetzen und EU-Richtlinien
widerspreche. Am Dienstag reichte die Umweltschutzorganisation 7 500
Protestunterschriften beim Europäischen Patentamt ein.
dpa abc xx my