Greenpeace:
Presseerklärung vom 4. Mai 2000

Embryo-Patent: Patentinhaber macht Rückzieher
Menschliche Embryonen ausgeschlossen ?
Greenpeace: Grundproblem ungelöst

Hamburg, 4.5.2000. Etappensieg für Greenpeace im Streit
um das Patent auf menschliche Embryonen: Der Inhaber
des Patents, die Universität von Edinburgh, hat sich
jetzt bereit erklärt, den Menschen aus den
Patentansprüchen auf die Züchtung von Embryonen
auszuschließen. Das Patent soll jedoch weiterhin für
einzelne menschliche Zellen, die Entnahme von
Organgewebe aus menschlichen Embryonen sowie Verfahren
zur Züchtung genmanipulierter Tierembryonen gelten.

Greenpeace hatte im Februar aufgedeckt, dass das
Europäische Patentamt (EPA) in München widerrechtlich
ein Patent erteilt hatte, das die Manipulation der
menschlichen Keimbahn einschließt. "Die Empörung und
der Druck der Öffentlichkeit haben zu diesem Rückzieher
der Universität Edinburgh geführt, der ein wichtiger
Teilerfolg für uns ist", sagt Christoph Then,
Gentechnik-Experte bei Greenpeace. "Biotechnik-Firmen
und Forschungseinrichtungen müssen einsehen, dass sie
nicht wahllos Lebewesen patentieren lassen können."

Die späte Einsicht der Universität Edinburgh ist zwar
wichtig für diesen speziellen Fall des Embryo-Patents.
Das Grundproblem der Patentierung von Lebewesen wird
damit aber nicht gelöst. Christoph Then: "Es reicht
nicht aus, ein einzelnes Patent nachzubessern. Das
Patentrecht und besonders das EPA müssen grundsätzlich
auf den Prüfstand. Das Amt patentiert weiterhin Teile
des menschlichen Körpers, Gene, Pflanzen und Tiere. Das
ist eine Perversion des Patentrechts, die unbedingt
gestoppt werden muss."

Da auch das geänderte Embryo-Patent immer noch die
Verwertung menschlicher Embryonen durch Entnahme von
Organgewebe, Zellen und Blut einschließt, hält
Greenpeace seinen Einspruch gegen das ganze Patent
weiter aufrecht. Am 18. April hatte die
Umweltorganisation dem Europaeischen Patentamt 7.500
Einsprüche von Bundesbürgern gegen das Patent
überreicht. Angesichts der Brisanz des Falles fordert
Greenpeace das Patentamt auf, über die Einsprüche
schneller als bei bisherigen Verfahren zu verhandeln,
am Besten schon im September, wenn die Einspruchsfrist
abläuft.


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