Das Greenpeace-EinkaufsNetz informiert:

38. Gentech-Informationen

Die Themen:

* Artenvielfalt und Biosafety Themen bei UN-Konferenz in Nairobi
* Bundesjustizministerin will Patente auf Leben legalisieren
* Hongkong: Kennzeichnung von Gentech-Food wird zum Stadtthema
* Gen-Detektive im Netz
* Novartis-Studie zu Gen-Mais wissenschaftlich mangelhaft


15.5 Artenvielfalt und Biosafety Themen bei UN-Konferenz in Nairobi
Nairobi (dpa) - Mit einem Appell zum Schutz des weltweiten
Oekosystems hat am Montag in Nairobi die 5. Vertragsstaaten-Konferenz
ueber Artenvielfalt begonnen. Der Chef der UN-Umweltbehoerde Unep,
Klaus Toepfer, sagte: "Das ausserordentliche Anwachsen des Konsums und
das Ansteigen der menschlichen Bevoelkerung zwingen uns zu einem
ehrgeizigen und innovativen Vorgehen, um den Trend der Zerstoerung der
Artenvielfalt umzukehren." 177 Staaten nehmen an der zweiwoechigen
Konferenz in der kenianischen Hauptstadt teil.

Die Menschheit muesse davon ueberzeugt werden, dass der Schutz von
Oekosystemen zu einem grundlegenden Prinzip des Wirtschaftens werden
muesse, erklaerte Toepfer ferner. Kenias Umweltminister Francis Nyenze
unterstrich, dass der Schutz der Artenvielfalt auch ein
entscheidender Faktor bei der Bekaempfung der Armut sein koenne.

Das nach harten Verhandlungen Anfang des Jahres in Montreal
erzielte "Protokoll ueber biologische Sicherheit" liegt in Nairobi zu
Unterzeichnung aus. Das Abkommen regelt den Handel mit gentechnisch
veraenderten Organismen, wie etwa Saatgut, Tomaten oder auch Baeumen.
Es tritt in Kraft, wenn 50 Staaten es ratifizieren.

Das Protokoll erlaubt es den Staaten, aus "Vorsorge" Importverbote
zu verhaengen, auch wenn nicht geklaert ist, ob gentechnisch veraenderte
Substanzen Gefahren fuer Umwelt und Menschen darstellen. Eine
allgemeine Pflicht zur Kennzeichnung von gentechnisch manipulierten
Organismen steht nicht zur Debatte.

Umweltschuetzer warnen vor Entwicklungen wie etwa dem umstrittenen
"Terminator"-Saatgut. Durch gentechnische Manipulationen kann es nur
einmal auskeimen. Nach Ansicht von Greenpeace ist damit nicht nur die
biologische Vielfalt, sondern auch die Welternaehrung in Gefahr. Es
sei nicht ausgeschlossen, dass das Terminator-Gen auf andere Pflanzen
ueberspringe und diese unfruchtbar mache.


9.5. Bundesjustizministerin will Patente auf Leben legalisieren
Neben Patenten auf Pflanzen und Tieren sollen kuenftig auch menschliche Gene
und Teile des menschlichen Koerper patentiert werden koennen. Das sieht
ein Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums vor, der sich
an einer Richtlinie der Europaeischen Union orientiert. "Der Entwurf ist
unzulaessig, verantwortungslos und stellt einen Ausverkauf der Natur an
die Gen-Konzerne dar", kritisiert Christoph Then von Greenpeace.

Die Vorlage widerspricht nicht nur dem Patentrecht, erklaert der
Gentechnik-Experte. Sie laeuft auch EU-Vorschriften zuwider, weil sie
Widersprueche, Unklarheiten und Luecken enthaelt. Insbesondere die Regelungen
fuer Patente auf menschliche Gene sind widerspruechlich formuliert. In einem
Artikel werden sie verboten, im anderen erlaubt. Die Folge ist Chaos.

"Die Industrie will aber genau das. Eine unklare Rechtslage passt ihr ins
Konzept, um Patente auf Leben bis hin zum menschlichen Koerper durchsetzen zu
koennen", erklaert Christoph Then. Er fordert die Justizministerin
Daeubler-Gmelin auf, sowohl den Entwurf zurueckzuziehen als auch die Umsetzung
der EU-Richtlinie zu stoppen.

6. 5. Hongkong: Kennzeichnung von Gentech-Food wird zum Stadtthema

Mit einer in den lokalen Medien viel beachteten Demonstration im Hongkonger
Touristenviertel Tsim Sha Tsui (siehe Foto) haben Greenpeace-Aktivisten am
Donnerstag den Druck auf die Stadt-Regierung in Sachen
Kennzeichnung von Gen-Food erhoeht.

Die Demonstranten, allesamt in weissen Overalls und mit geschminkten
Gesichtern, trugen ein rotes X-Kreuz, um an die ausstehende Antwort der
Regierung auf die Anfang des Jahres erhobene Kennzeichnungs-Forderung zu
erinnern.

Nach Umfragen unter Hongkong-Chinesen unterstuetzen ueber zwei Drittel die
Kenntlichmachung von Gen-Food. Auch ein Teil der Verwaltung hat sich
intern fuer eine solche Regelung ausgesprochen, scheitern jedoch an
buerokratischen Huerden.

Dazu Lo Sze-ping, Campaigner bei Greenpeace China: "Lange kann die
Regierung die noetige Entscheidung nicht mehr hinauszoegern. Die formalen
Gruende fuer die Verzoegerung der Kennzeichnung muessen aus dem Weg
geraeumt werden."


4. 5. Gen-Detektive im Netz
Um den Machenschaften der Gentechnikindustrie auf die Schliche
zukommen, braucht es oftmals das Gespuer eines Sherlock Holmes. Und die
Zutatenliste mit manipulierten Inhaltsstoffen auf vielen
Nahrungsmitteln laesst sich haeufig nur mit der Lupe entziffern.

Vorbildlich reagiert hat darauf Greenpeace Oesterreich auf seinen
Internet-Seiten: Hier tummeln sich neuerdings die Gen-Detektive!

http://www.greenpeace.at/gen-detektive/ 

Gentechnisch manipulierte Produkte werden aufgespuert, danach folgt die
Verbraucheraufklaerung und - ein freundliches Stelldichein im
Supermarkt. Informativ, lustig und zum Mitmachen -
geben Sie Gen-Alarm, mein lieber Watson!


4.5. Novartis-Studie zu Gen-Mais wissenschaftlich mangelhaft
Die Studie, mit der der Gentechnik-Konzern Novartis die
Europaeische Kommission von der Unbedenklichkeit seiner manipulierten
Maisstaerke ueberzeugt hat, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Zu
diesem Schluss kommt eine unabhaengige Untersuchung, die am Mittwoch von
Greenpeace in Bruessel und Paris vorgestellt wurde.

In der kritisierten Studie geht es um die Umweltvertraeglichkeit von
Bt-Mais, dem ein Gen zur Abwehr von Frassschaedlingen eingebaut wurde. Die
Gutachter der Schweizer Firma EcoStrat, die sich auf die
Beurteilung von Biotechnologien spezialisiert hat, kritisieren
insbesondere die Risikoabschaetzung fuer harmlose und seltene Insekten,
die von dem Gen unbehelligt bleiben sollten. Bei den Frassstudien der
Novartis-Studie sei es fraglich, ob die Tiere ueberhaupt etwas von dem
manipulierten Pflanzenmaterial verzehren konnten, weil ihre
Fressgewohnheiten nicht beachtet worden seien. Deshalb waere auch nicht
moeglich gewesen, einen negativen Effekt nachzuweisen.

Diese Schwaeche der Studie ist allerdings weder dem
wissenschaftlichen Ausschuss der Europaeischen Kommission noch den
franzoesischen Zulassungsbehoerden aufgefallen, die den Anbau in
Frankreich absegnen sollen. "Es ist verstoerend, dass sich die Behoerden
von solchen Gutachten beeinflussen lassen und zugleich neue Hinweise auf
die Schaedlichkeit von Bt-Mais ignorieren", sagte Arnaud Apoteker
von Greenpeace-Frankreich. Er rief die franzoesische Regierung auf, den
laufenden Antrag zum Anbau von Bt-Mais abzulehen. Ausserdem solle die
Europaeische Kommission ihre Anbauerlaubnis zurueckziehen und neue
Untersuchungen einleiten.


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