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Unwissentlich: Bauern säten Gen-Raps aus
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In Deutschland und drei anderen europäischen Ländern wächst
derzeit genmanipulierter Raps. Bauern hatten das Saatgut in
der Meinung ausgebracht, es handele sich um ganz normalen
Raps. Die Handelsfirma beteuert, es bestehe keine Gefahr
für Menschen.
London - Die anderen betroffenen Länder sind
Großbritannien, Schweden und Frankreich. Die Firma Advanta
teilte am Donnerstag in London mit, in Deutschland und
Frankreich seien nur wenige hundert Hektar Anbaufläche
betroffen. Von dem Verdacht, das aus Kanada importierte
Saatgut habe Kreuzungen zwischen manipuliertem und
natürlichem Raps enthalten, habe sie die britische
Regierung bereits am 17. April informiert. Die
Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Aussaat des
genmanipulierten Rapses scharf verurteilt.
Advanta-Sprecher David Buckeridge sagte, das aus dem Raps
gewonnene Öl sei ungefährlich für den Menschen. Zudem gebe
es in Großbritannien weder Grenzwerte für den Anteil
genetisch manipulierten Samens im Saatgut noch
standardisierte Tests. Advanta habe am 3. April von dem
Verdacht erfahren, dass das Saatgut aus Kanada Kreuzungen
enthalten könnte, und nach Tests zwei Wochen später die
Regierung informiert. Diese teilte am Mittwoch mit, das
betreffende Saatgut sei 1999 auf 9000 Hektar ausgebracht
worden und in diesem Jahr auf 4700. 1999 habe die
Rapsanbaufläche in Großbritannien 537.000 betragen.
Der britische Landwirtschaftsminister Nick Brown sagte vor
dem Unterhaus in London, die Regierung gehe davon aus, dass
von dem Raps keine Gefahr für die Umwelt ausgehe. Es sei
kaum anzunehmen, dass die genetischen Veränderungen sich
auf andere Pflanzen übertrügen.
Die Nachricht löste bei Umweltschützern scharfe Kritik
aus. Der Verband der britischen Biobauern, Soil
Association, verlangte von der Regierung, die etwa 600
belieferten Bauern aufzuspüren und die Ernte vernichten zu
lassen. Die Organisation Friends of the Earth verlangte
ebenfalls die Vernichtung der Ernte. Es sei ein Skandal,
dass die Regierung die Information einen Monat lang
zurückgehalten habe.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Aussaat
des Rapses auf Feldern in Deutschland scharf verurteilt.
Der für Agrar- und Gentechnik zuständige Greenpeace-Experte
Martin Hofstetter sagte, der aus Kanada stammende
Sommerraps sei illegal nach Europa gekommen und von
Landwirten in mehreren Ländern unwissentlich ausgesät
worden. Der Raps müsse vernichtet und die Bauern
entschädigt werden. Pollenflug von genveränderten
Rapspflanzen könne zu so genannten Auskreuzungen führen.
Das hieße, bisher nicht manipulierte Pflanzen könnten so in
ihrer bisherigen Genstruktur verändert werden - mit
unabsehbaren Folgen für die Nahrungskette, sagte
Hofstetter.
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(C) SPIEGEL ONLINE - 18. Mai 2000, 18:02
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