Bundesbehörden geben Entwarnung bei Gen-Raps

Deutsche Presse-Agentur
Freitag, 19. Mai 2000 18:48:00 


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Bundesbehörden geben Entwarnung bei Gen-Raps 
Berlin (dpa) - Das mit Gen-Raps verunreinigte Saatgut in Baden-
Württemberg halten deutsche Behörden für relativ unbedenklich. Das
Robert Koch-Institut in Berlin verweist auf 32 Freilandexperimente
mit Gen-Raps, die seit 1994 in Deutschland genehmigt worden seien.
Das verunreinigte Saatgut sei aus Kanada gekommen und sei bundesweit
nur nach Baden-Württemberg ausgeliefert worden, teilte das
Bundeslandwirtschaftsministerium am Freitag mit. Die 1 350 Kilogramm
Saatgut, die zu 0,03 Prozent verunreinigt seien, reichten für rund
300 Hektar Anbaufläche, sagte Sprecherin Ursula Horzetzky
Der gentechnisch veränderte Raps war bei einer Routine-Kontrolle
im April in Freiburg entdeckt worden. Nach Auskunft der britischen
Regierung handelt es sich um Gen-Raps, der gegen
Unkrautvernichtungsmittel resistent ist. Dort wurden wesentlich
größere Mengen Gen-Saatgut für etwa 13 700 Hektar entdeckt.
Der bereits in Deutschland ausgesäte verunreinigte Raps soll nach
Auskunft des Deutschen Bauernverbandes (DBV) nicht in die
Nahrungskette gelangen. Der DBV habe den Landwirten bereits
empfohlen, die Partien gesondert zu ernten und von den Ölmühlen
ausschließlich zu Biodiesel verarbeiten zu lassen, sagte DBV-Referent
für Ölsaaten, Hans-Jürgen Bertram, in Bonn. "Im Rapsöl ist dann mit
Sicherheit und nach allen bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen
keine transgene Verunreinigung mehr festzustellen."
Die normale Rapssorte "Hyola 401" wurde laut Horzetzky von der
Firma Petersen in Lundsgaard bei Flensburg gezüchtet und zum
Unternehmen Advanta nach Kanada geschifft. Dort sei es auf mehreren
Hektar vermehrt und in größeren Mengen per Schiff nach Europa
zurückgebracht worden. Dieser Raps werde ohnehin vor allem für Bio-
Diesel verwendet. Nach Angaben der niederländischen Mutterfirma ist
der Raps-Samen in Kanada durch eine Kreuzbestäubung mit
genmanipuliertem Raps einer anderen Firma verunreinigt worden. In
Kanada sei die genetische Veränderung von Raps erlaubt und üblich,
sagte der Sprecher der Adavanta BV, Kees Noome, am Freitag in
Kapelle. Auch in Frankreich, Schweden und Großbritannien waren
entsprechende Verunreinigungen entdeckt worden.
Unter den bundesweit genehmigten Freilandexperimenten mit Gen-
Raps sind nach Auskunft des Robert Koch-Instituts rund 140
Einzelversuche mit Herbizid toleranten Pflanzen. Bei den
Genehmigungsverfahren wurde nach Auskunft des Sprechers Günther
Dettweiler festgestellt, dass von diesen Rapspflanzen keine
Gefährdung ausgeht. Auch Jochen Schiemann von der Biologischen
Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig
hält die Aussaat für unbedenklich, sollte es sich um eine herbizid-
resistente Sorte handeln. Nach Angaben des
Bundeslandwirtschaftsministerium ist eine Verunreinigung mit Gen-Raps
erst ab einem Prozent zu deklarieren. Deshalb verzichte Baden-
Württemberg wohl zu Recht auf weitere Maßnahmen, sagte Sprecherin
Horzetzky.
Greenpeace sieht dagegen eine Gefährdung vor allem in der Umwelt,
weil Raps und verwandte Pflanzen in Europa natürlich vorkommen.
Dadurch könne sich Gen-Raps "auskreuzen" und andere Pflanzen
ebenfalls befruchten, sagte Greenpeace-Gentechnikexperte Martin
Hofstetter in Hamburg. Nach Auffassung des RKI ist eine Auskreuzung
der Gene dagegen vor allem ein Problem für den Herbizid-Hersteller.
Dann werde sein betreffendes Unkrautvernichtungsmittel wirkungslos,
sagte Dettweiler. Es gebe aber noch genügend andere Mittel.
Ulrike Höfken von der Bündnis90/Grünen-Bundestagsfraktion
forderte dagegen, das Saatgut schnellstmöglich ausfindig zu machen
und bereits ausgesäte Partien zu vernichten. Der Raps gelange über
die Presskuchen als Futtermittel möglicherweise auch in die
Nahrungsmittelkette. Nach Ansicht von Jella Techner,
verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, könne
sich das veränderten Raps-Erbgut auch im Rapshonig wieder finden.
"Zwar wird dieser Raps überwiegend zur Erzeugung von Bio-Diesel
verwendet. Aber unsere Bienen können beim Sammeln der Pollen keinen
Unterschied bei Rapsblüten erkennen."
Das Umweltministeriums von Baden-Württemberg hält die
Beimengungen von Gen-Raps in der Größenordnung von 0,03 Prozent für
Mensch, Tier und Umwelt für völlig ungefährlich. Die Beseitigung des
angebauten Rapses wäre nach geltendem Recht völlig unverhältnismäßig
gewesen und hätte vor den Verwaltungsgerichten keinen Bestand gehabt,
sagte Ministeriums-Sprecher Hans Klöppner. Etwa 80 Prozent der in
Deutschland ausgebrachten Raps-Saat kommen aus Nordamerika. Dort
wurden nach Auskunft Klöppners im vergangenen Jahr auf mehr als 30
Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen wie etwa Raps oder
Mais angebaut.
dpa cw/pö/my/la yyzz hu ub


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