Greenpeace fordert Stopp des kommerziellen
Anbaus genmanipulierter Pflanzen
ZDF berichtet von Genübertragung von Pflanzen auf Bakterien und Pilze
Hamburg, 21.5.2000. Nach Berichten des ZDF am heutigen Sonntag haben
deutsche Forscher nachgewiesen, dass eine Übertragung
von Genen manipulierter Rapspflanzen auf Bakterien und
Pilze im Darm von Bienen stattfindet. Prof.
Hans-Hinrich Kaatz vom Institut für Bienenkunde der
Universität Jena in der ZDF-Sendung Planet E: "Wir
(...) haben herausgefunden, dass in mehreren Bienen
solche gentechnisch veränderten Mikroorganismen
vorhanden waren."
Bestätigen sich diese Aussagen, ist eine der
schlimmsten Befürchtungen wahr geworden - künstlich
veränderte Gene werden unkontrolliert auf andere
Lebewesen übertragen. "Der Genraps gerät völlig aus der
Kontrolle. Die veränderten Gene verbreiten sich wie ein
E-mail-Virus", sagt Stephanie Toewe, Gentechnikexpertin
von Greenpeace. Damit gewinnt auch der kürzlich bekannt
gewordene illegale Anbau von Genraps in Deutschland
eine neue Brisanz - angesichts der jetzt vom ZDF
veröffentlichten Ergebnisse müssen die illegalen
Pflanzen vernichtet werden.
Am Montag wird im Bundeskanzleramt ein Ressortgespräch
zur grünen Gentechnik stattfinden. Das Bundeskanzleramt
hat die Ministerien für Landwirtschaft, Umwelt,
Gesundheit, Wirtschaft und Forschung eingeladen, den
künftigen Umgang der rot-grünen Koalition mit
gentechnisch veränderten Pflanzen zu diskutieren.
"Greenpeace fordert von der Bundesregierung, es anderen
europäischen Ländern gleich zu tun und den Anbau
genmanipulierter Pflanzen sofort zu stoppen. Zusätzlich
müssen umfangreiche Geldmittel für eine wirklich
unabhängige Risikoforschung bereit gestellt werden",
sagt Stephanie Toewe.
In der Vergangenheit haben Forschungs- und
Landwirtschaftministerium eine deutlich
gentechnikfreundliche Politik betrieben. Das
SPD-geführte Landwirtschaftsministerium versucht, mit
einem Verweis auf die angeblich nur sehr geringe
Verunreinigung von 0,03 Prozent die Gefahr herunter zu
spielen. "Auch wenn der Wert von 0,03 Prozent stimmen
sollte, sind das immer noch 100.000 genmanipulierte
Rapspflanzen, die ohne Prüfung der ökologischen und
gesundheitlichen Risiken auf deutschen Äckern wachsen",
so Stephanie Toewe.
Nach Informationen von Greenpeace sollen dieses Jahr 52
Tonnen genverändertes Saatgut für den kommerziellen
Anbau verkauft werden, darunter auch Pflanzen mit den
Genen, die jetzt bei Bienen nachgewiesen wurden.
Greenpeace fordert ein generelles Verbot für die
Freisetzung von genmanipulierten Pflanzen.
Weiterer Bericht, von der ZDF-Website