Presseerklärung vom 29. Mai 2000

Greenpeace und Landwirte vernichten illegalen Gen-Raps
- Ministerium lässt Betroffene im Stich

Hamburg/Langenau, 29.05.2000 ? Mit Mähmaschinen und
Häcksler hat Greenpeace heute auf einem Feld in Langenau
bei Ulm damit begonnen, den illegal nach Deutschland
gelieferten Gen-Raps zu vernichten. Die rund 20
Aktivisten führen die Aktion gemeinsam mit betroffenen
Landwirten durch, die - ohne es zu wissen - gentechnisch
verunreinigtes Saatgut der niederländischen Firma Advanta
Seeds ausgesät hatten. "Gefahr durch Gen-Raps - Bauern
und Greenpeace werden aktiv" steht auf einem riesigen
Transparent der Umweltschützer. Der Gen-Raps, ein kurz
vor der Blüte stehender Sommerraps, wird in einem großen
Anhänger aufgefangen, der für den Abtransport
bereitsteht.

"Wir machen das, was französische und schwedische
Ministerien für ihre Länder längst angeordnet haben",
erklärt Stephanie Toewe, Gentechnik-Expertin bei
Greenpeace. "Der Gen-Raps muss runter vom Acker, bevor er
sich unkontrolliert verbreiten kann und womöglich über
den Honig bei uns auf dem Butterbrot landet.
Landwirtschaftsminister Funke lässt die Bauern und
Verbraucher im Stich."

Bereits im April hatten die Behörden von dem
verunreinigten Saatgut gewusst. Seitdem ist nichts
geschehen. Im Gegenteil: Das
Bundeslandwirtschafts-Ministerium versucht, die Gefahr
des illegalen Anbaus von genmanipulierten Pflanzen
herunterzuspielen. "Nicht die Verarbeitung des Rapses ist
das Problem, sondern der blühende Raps. Deshalb müssen
wir jetzt handeln, damit sich die Politiker endlich
bewegen. Die Firmen sollen lernen, dass sie für ihre
Fehler gerade stehen müssen und nicht immer wir Bauern
die Konsequenzen tragen", sagt einer der betroffenen
Landwirte aus Langenau.

Greenpeace hatte daher bereits am vergangenen Donnerstag
Strafanzeige gegen die Firma Advanta und gegen das
Umweltministerium Baden-Württemberg gestellt, in dessen
Land die größte Menge verunreinigten Rapses ausgesät
wurde. Das deutsche Gentechnikgesetz und die
EU-Gentechnikdirektive 90/220 verbieten die Freisetzung
von nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen
in die Umwelt. "Auch die deutschen Behörden sollten die
Rechtslage kennen. Diese Gesetze wurden nicht ohne Grund
erlassen. Es gibt keine Toleranzschwelle für
Verunreinigungen bei Saatgut, und die darf es auch in
Zukunft nicht geben", sagt Stephanie Toewe. "Der Verkauf
des illegalen Saatguts muss strafrechtlich verfolgt
werden und gehört nicht von den Behörden zum
Kavaliersdelikt verharmlost."

Gerade nach den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen
ist klar: Gentechnisch verändertes Erbgut einer Pflanze
gelangt über die Blütenpollen in andere Lebewesen. Diese
Entwicklung ist, einmal begonnen, nicht mehr
kontrollierbar und kann unvorhersehbare Folgen haben. Die
veränderten Gene, die die Pflanze gegen
Unkrautvernichtungsmittel resistent machen, können also
auch auf Wildpflanzen überspringen, die teilweise als
"Unkräuter" gelten. So können "Super-Unkräuter"
entstehen, die nur noch schwer zu bekämpfen sind.

Diese Presseerklärung ist unter der Adresse
http://www.greenpeace.de/GP_DOK_3P/PRESSEMI/P000529.HTM 
online abrufbar.


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