------------------------------------------------------------
Gentechnik: Rückschlag für die Xenotransplantation
------------------------------------------------------------
Jüngste Studien weisen nach, dass die Transplantation von
Schweineorganen durchaus nicht so unproblematisch ist, wie
Forschung und Industrie bislang hofften. Die Diskussion um
die Verwendung tierischer Spenderorgane wird damit erneut
entfacht.
La Jolla/London - Wie das britische Fachjournal "Nature"
berichtet, haben Forscher des Scripps Institute in La Jolla
(San Diego) nachgewiesen, dass Viren, deren Gene im Erbgut
der Schweinezellen verankert sich, ihre Aktivität auch
wieder entfalten können. Die Viren können generell auch
menschliche Zellen infizieren.
Die beim Versuch übertragenen endogenen Retroviren sind
nach den Vermutungen von Daniel Salomon und Kollegen zwar
keine Krankheitserreger, aber ähnliche Viren werden mit der
Entstehung von Leukämie bei anderen Tierarten in Verbindung
gebracht. Darüber hinaus wiesen sie aktive Viren nach, die
verschiedene Gewebe von Mäusen mit künstlich unterdrückten
Immunsystem Maus befielen, denen Zellen aus der
Bauchspeicheldrüse von Schweinen übertragen worden waren.
Die Studie wird in einer der kommenden Ausgaben von
"Nature" abgedruckt.
Ernüchterung macht sich breit
Japanische Kollegen hatten erst kürzlich Erfolge zu
vermelden, die sich im Licht der amerikanischen Studie
etwas relativieren: Dem japanischen Institut für
Tierindustrie war es gelungen, mit einem verfeinerten
Verfahren ein Ferkel zu klonen. Das Fachmagazin "Science"
berichtete am vergangenen Freitag darüber. Das Team um
Akira Onishi glaubte sich der Xenotranplantation - der
Verpflanzung von Schweineorganen - einen wichtigen Schritt
näher.
Onishi und Kollegen klonten das Ferkel nach einem
Verfahren, mit dem ihr Landsmann Teruhiko Wakayama an der
Universität von Honolulu vor zwei Jahren das Klonen von
Mäusen gelungen war. Die Forscher injizierten das
genetische Material aus Hautzellen von Schweine-Föten in
entkernte Eizellen. Dafür benutzten sie eine Pipette, die
ihre genetische Ladung im "Schnellschuss-Verfahren" in die
ausgehöhlten Eizellen pumpte. "Die Mikroinjektion erlaubt
einen ausgesprochen selektiven genetischen Transfer",
kommentiert Co-Autor Anthony Perry von der Rockefeller
Universität in New York.
Anschließend stimulierten die Forscher die Eizellen mit
Hilfe elektrischer Impulse und ließen sie zu Embryos
reifen, die sie vier Säuen einpflanzten. "Xena" war die
einzige Lebendgeburt von 110 transplantierten Embryos. Als
Nächstes will das Team um Onishi versuchen, genetisch
modifizierte Spender-Schweine zu klonen, die bei dem
menschlichen Empfänger keine immunologische Abwehrreaktion
mehr hervorrufen.
Vorreiter schwenken bereits um
Die "Väter" von Dolly haben ihre Klonversuche mit
Schweinen zur Xenotransplantation dagegen eingestellt. Die
Gefahr der Übertragung von Viren sei zu groß. Sie hatten
bereits im vergangenem März fünf nach dem Dolly-Verfahren
geklonte gesunde Ferkel präsentiert.
------------------------------------------------------------
(C) SPIEGEL ONLINE - 16. August 2000, 18:23
Den Artikel erreichen Sie im Internet unter der URL
http://www.spiegel.de/wissenschaft/0,1518,89336,00.html
------------------------------------------------------------