Industrie dringt auf Ende der Blockade für genmanip..
Deutsche Presse-Agentur
Donnerstag, 24. August 2000 14:43:00
Copyright dpa, 2000
Industrie dringt auf Ende der Blockade für genmanipulierte Pflanzen
Frankfurt/Main (dpa) - Im Konflikt um Anbau und Vertrieb
gentechnisch manipulierter Pflanzen dringt die Industrie auf ein
schnelles Ende der weitgehenden Blockade. Nach Angaben der Deutschen
Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) sollen bereits im September
Verhandlungen zwischen Bundesregierung und Wirtschaft beginnen, "um
noch in diesem Jahr zu konkreten Vereinbarungen zu kommen". Ziel sei
ein dreijähriges Forschungs- und Beobachtungsprogramm zu den
Auswirkungen des großflächigen Anbau gentechnisch veränderter
Pflanzen, sagte der DIB-Vorsitzende Dieter Wißler.
Fortschritte verspricht sich die Branche auch von einer im
Europaparlament verabschiedeten Freisetzungsrichtlinie, die aber noch
die entscheidende Hürde im Umweltministerrat der EU nehmen müsse.
"Wir hoffen, dass mit der neuen Richtlinie die untragbare und
rechtlich fragwürdige Zulassungsblockade endlich überwunden werden
kann", sagte Wißler.
Die Bundesregierung hatte sich den Unmut der Industrie zugezogen,
als im Februar Anbau und Vertrieb einer genmanipulierten Maissorte
(Bt-Mais) der schweizerischen Firma Novartis gestoppt worden waren.
Die DIB spricht von einem "Schaukampf" und "politischer Willkür".
Auch auf europäischer Ebene sieht sich die Branche ungerechtfertigt
gefesselt. Seit mehr als zwei Jahren würden in der EU keine
Zulassungen für Anbau und Vermarktung mehr erteilt, ohne dass es
dafür eine rechtliche Grundlage gibt, monierte Wißler.
Dafür ist aus Sicht der Industrie aber auch die kritische Haltung
in der Öffentlichkeit verantwortlich. Umfragen zufolge seien in
Europa (außerhalb Deutschlands) lediglich 26 Prozent der Verbraucher
bereit, Produkte mit gentechnisch veränderten Zutaten zu kaufen,
deutlich weniger als 1996 mit 37 Prozent. In Deutschland liege die
Zustimmung bei 27 (1996: 25) Prozent. In dem Forschungsprogramm, das
mit der Regierung vereinbart werden soll, sieht die Industrie auch
die "Chance, Information und Transparenz zu verbessern und so
Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen".
Nach Wißlers Worten sind schnelle Fortschritte dringend nötig,
weil ganz Europa andernfalls Gefahr laufe, "bei dieser Technologie
den Anschluss an die internationale Entwicklung zu verlieren". 1999
sei der weltweite Anbau gentechnisch veränderter Pflanzenkulturen mit
40 Millionen Hektar mehr als drei Mal so groß gewesen wie die
gesamte Ackerfläche in Deutschland - allerdings fast ausschließlich
in Nord- und Südamerika und Asien. "In Europa wurden dagegen bis auf
wenige Ausnahmen gentechnisch veränderte Pflanzen nur zu
Versuchszwecken angebaut."
Unterdessen sieht sich die Biotechnologie im Pharmasektor auf dem
Weg zu einem europäischen Spitzenplatz. "Deutschland kommt dem Ziel,
der führende Standort für Biotechnologie in Europa zu werden, immer
näher", sagte Wißler. Besonders deutlich zeige sich dieser Trend bei
Medikamenten und Diagnostika: Auf gentechnisch produzierte Arzneien
entfalle inzwischen ein Marktanteil von sechs Prozent, Diagnosemittel
aus der Biotechnologie deckten bereits 30 Prozent dieses Marktes ab.
Entscheidende Impulse habe die Branche vom Neuen Markt und der Flut
von Neuemissionen in diesem Börsensegment erhalten. "Ein noch vor
wenigen Jahren bestehender gravierender Nachteil für die Entwicklung
von Hightech-Unternehmen am Standort Deutschland - der Mangel an
Risikokapital - gehört der Vergangenheit an."
dpa kf yyhe uw