Mediziner warnen: Missbrauch der Gentechnik im Spor..
Deutsche Presse-Agentur
Sonntag, 29. Oktober 2000 15:20:00
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Mediziner warnen: Missbrauch der Gentechnik im Sport längst Realität
Berlin/Hamburg (dpa) - Der Missbrauch der Gentechnik und der
Einsatz gentechnisch hergestellter Wachstumshormone ist im
Spitzensport offenbar längst Realität. "Man muss davon ausgehen, dass
das gentechnisch hergestellte Wachstumshormon im Spitzensport
missbraucht wird. Wir müssen dem offen ins Auge sehen", sagte der
leitende deutsche Olympiaarzt Wilfried Kindermann (Saarbrücken) der
ARD-Sportschau. Der Berliner Mediziner Willi Heepe, der zahlreiche
Leistungssportler betreut, erklärte: "Ich gehe davon aus, dass das
gentechnisch produzierte Wachstumshormon im Spitzensport-Doping an
erster Stelle steht. Dieses Geschehen hat sich der öffentlichen Szene
und der Kontrollierbarkeit voll entzogen."
Im Kampf gegen Doping mit Wachstumshormonen gibt es noch kein
anerkanntes Testverfahren. "Die Herstellung erfolgt mittels
gentechnischer Methoden. Das Besondere ist, dass diese Substanzen den
körpereigenen Hormonen ausgesprochen ähnlich sind, praktisch völlig
gleichen und damit voneinander kaum zu unterscheiden sind", sagte
Manfred Dietel, Chefarzt der pathologischen Abteilung der Berliner
Charite, in der ARD-Sendung.
Der starke Leistungszuwachs in bestimmten Sportarten wie zum
Beispiel dem Schwimmen wird dabei von Sportmedizinern offenbar in
direktem Zusammenhang mit dem Einsatz des künstlichen Hormons
gesehen. "Wer die gewaltigen Leistungsexplosionen bei den Olympischen
Spielen und die Unterschiede zwischen Wohlstandsländern sowie ärmeren
Ländern gesehen hat, der kann nicht mehr nur vermuten, der muss
sagen, hier ist eine Menge geschehen", wird der Berliner Sportarzt
Willi Heepe zitiert. Auch Olympiaarzt Wilfried Kindermann stellte
fest: "Das Wachstumshormon-Doping wird in Sydney eine gewisse Rolle
gespielt haben."
Die Sportmediziner warnen vor schwerwiegenden Folgen. "Es ist
außerordentlich gefährlich, da die beweglichen Organe explosiven
Zuwachs erhalten. Mit Sicherheit wird es lebensgefährliche
Disproportionen vieler Körpersysteme geben. Hier werden unter
Umständen Monster gezeugt, die isoliert für bestimmte Kraftleistungen
geeignet sind", betonte Willi Heepe. Insbesondere wird vor einer
Vergrößerung der inneren Organe wie dem Herzen und der Leber sowie
fehlgestalteten Knochen gewarnt. "Ich schätze die Nebenwirkungen des
Wachstumshormons noch weitaus höher ein als die der Anabolika",
erklärte Kindermann.
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