Presseerklärung vom 19. November 2000
Europäisches Patentamt: Greenpeace entdeckt
Patent auf Mischwesen aus Mensch und Tier
Hamburg, 19.11.2000 - Die erst kürzlich aufgestellte
Behauptung des Europaeischen Patentamtes (EPA), es erteile
aus ethischen Gründen grundsätzlich keine Patente auf
Mensch-Tier-Mischwesen, ist unwahr: Bei erneuten
Recherchen im EPA in München entdeckte Greenpeace ein
Patent auf Embryonen, die aus Zellen von Mensch und Tier
bestehen. Das Patent EP 380646, das das EPA 1999 der
australischen Firma Amrad erteilt hat, umfasst sowohl
Verfahren zur Isolation und Züchtung embryonaler Zellen
von Mensch und Tier als auch die Verwendung dieser Zellen
zur Erzeugung sogenannter Chimären-Tiere. Erst Anfang
Oktober hatte Greenpeace beim EPA einen Patentantrag auf
Mischwesen entdeckt.
In dem jetzt aufgedeckten Patent heißt es, dass die
"embryonalen Stammzellen von Menschen, Mäusen, Vögeln,
Schafen, Schweinen, Rindern, Ziegen oder Fischen" zur
Züchtung chimärer Tiere verwendet werden sollen. Daraus
würden Mischwesen entstehen, bei denen die
unterschiedlichsten Körperteile vom Tier oder vom
Menschen stammen können. Zwar ist die Durchführung des
Verfahrens in Deutschland noch verboten, aber nicht in
allen der zehn anderen EU-Staaten, in denen das Patent
gilt.
"Das EPA missachtet jede ethische Grenze und belügt die
Öffentlichkeit", sagt Christoph Then, Patent-Experte von
Greenpeace. "Auch dieser Fall zeigt, wie das Amt
systematisch gegen geltende Rechtsgrundlagen verstößt."
Greenpeace fordert, Patente auf Menschen und Teile des
menschlichen Körpers sowie auf Gene, Pflanzen und Tiere
zu verbieten. Patente auf Leben entwerten die belebte
Natur, weil sie diese mit einem industriellen Produkt
gleichsetzen.
Die Greenpeace-Recherche brachte noch andere Patente auf
Leben ans Licht: So erteilte das EPA in jüngster Zeit
mehrere Patente auf Saatgut und Pflanzensorten, obwohl
das Patentgesetz dies ausdrücklich verbietet. Die Patente
schließen sogar den Anbau der Pflanzen und die Verwendung
der Ernte ein. "Auch der Diebstahl von natürlichen
Maispflanzen aus ihren Ursprungsländern wurde für die
Firma Dupont mit einem Patent belohnt", so Then. Zudem
erteilte das EPA Patente auf menschliche Gene,
menschliche Organe und auf Säugetiere.
"Mit Patenten auf Leben schaffen die Gen-Konzerne ein
Netz von Abhängigkeiten, dem Lebensmittelhersteller,
Landwirte, Züchter sowie Ärzte und Patienten nur schwer
entgehen können", erklärt Then. "Medizinische Verfahren
sind davon genauso betroffen wie die natürliche
Artenvielfalt, die sich die Firmen mit ihrer
Bio-Piraterie aneignen, um die Zukunft der Welternährung
kontrollieren zu können."
Im EPA in München beginnt am Montag die Konferenz der 20
Vertragsstaaten des Europäischen Patentübereinkommens.
Greenpeace fordert die Diplomaten auf, das Patentamt in
seine Schranken zu weisen und zu bekräftigen, dass
Pflanzen, Tiere und Menschen sowie ihre Gene nicht
patentiert werden dürfen. Greenpeace wird ab Montag für
die Dauer der Konferenz vor dem EPA-Gebäude informieren.
Zur Konferenz selbst ist Greenpeace im Gegensatz zu den
Vertretern der Industrie nicht zugelassen.