Genforscher entwickeln aus Versehen Killervirus für Mäuse
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11. Jan 16:00
Australische Forscher haben
ein für Mäuse tödliches Virus
entwickelt. Eine Panne: Eigentlich
wollten sie die Tiere unfruchtbar
machen.
LONDON. Gen-Forscher haben aus
Versehen ein für Mäuse tödliches
Virus hergestellt. Die
australischen Wissenschaftler
wollten mit Hilfe gentechnischer
Eingriffe ein Virus schaffen, das
Mäuse weniger fruchtbar macht. Im
Labor entstand jedoch ein für die
Tiere absolut tödliches neues
Virus.
Immunabwehr ausgeschaltet
Wie das britische Magazin New
Scientist in seiner neuesten
Ausgabe berichtet, hatten die
Forscher dem Virenstamm für
Mäusepocken das Gen zur Produktion
des Proteins Interleukin-4
eingepflanzt. Die damit
infizierten Tiere sollten
Antikörper gegen die eigenen Eier
bilden und somit unfruchtbar
werden. Zur Überraschung der
Forscher starben dagegen alle
Tiere, selbst die gegen das Virus
geimpften. Die Genveränderung
hatte die Immunantwort gegen Viren
völlig abgeschaltet.
Der Geist ist aus der Flasche
Das Mäusevirus ist eng verwandt
mit dem menschlichen Pockenvirus.
Dies nährt Befürchtungen, dass es
leicht möglich sein könnte, auch
Viren anderer Tiere oder des
Menschen zu hochgefährlichen
Killern zu machen. «Der Geist ist
aus der Flasche», kommentiert der
New Scientist.
Bisher waren Forscher meist davon
ausgegangen, dass gentechnische
Veränderungen Viren eher weniger
gefährlich machen. Bei einer
Umfrage der Zeitschrift unter
Genetikern hatten diese vor fünf
Jahren noch angegeben, die
Erschaffung neuer, gefährlicher
Viren sei «sehr schwierig, wenn
nicht unmöglich».
Regierung informiert
Der Fall wirft auch die Frage auf,
ob solche Ergebnisse überhaupt
publiziert werden sollten. Auch
Ron Jackson und Ian Ramshaw, die
australischen Mäuseforscher,
hatten dies mit Regierungsstellen
beraten. Sie waren aber zu der
Überzeugung gekommen, dass die
verwendeten Methoden weitgehend
bekannt seien. Die Ergebnisse
werden in der Februar-Ausgabe des
Journal of Virology dargestellt.
(nz/dpa)