Presseerklaerung vom 19. Januar 2001
Greenpeace: Verbraucherschutz und Gentechnik passen nicht zusammen
Bundesregierung entscheidet über Kurs in der grünen Gentechnik
Hamburg/Berlin, 19.1.2001 - Anlaesslich des heutigen
Krisengespraechs ueber die Zukunft der gruenen
Gentechnik fordert Greenpeace die Bundesregierung auf,
keine Freisetzung von genmanipulierten Pflanzen in
Deutschland zuzulassen. In Berlin treffen sich heute
zunaechst die Staatssekretaere der zustaendigen
Ministerien. Die Regierung befuerchtet, dass die
Verbraucher wegen der BSE-Krise derzeit einen Konsens
mit der Gentechnik-Industrie ablehnen wuerden. Ein
Spitzengespraech zwischen Schroeder und den betroffenen
Unternehmen soll am 25. Januar stattfinden.
Bundeskanzler Gerhard Schroeder hat sich in den letzten
Monaten stark gemacht fuer ein dreijaehriges
Forschungsprogramm fuer genmanipulierte Pflanzen und
hat die Entscheidung ueber die gruene Gentechnik zur
"Chefsache" erklaert. Nach den urspruenglichen
Vorstellungen sollte die Industrie sich verpflichten,
Gen-Pflanzen nur im Rahmen dieses Forschungsprogrammes
anzubauen. Dafuer soll die Regierung zusichern, dass
die geplanten Freisetzungen auf grossen Flaechen
stattfinden koennen. Zusaetzlich will der Kanzler die
Markteinfuehrung genmanipulierter Produkte
unterstuetzen.
"Gentechnik und Verbraucherschutz passen nicht
zusammen", sagt Stephanie Toewe, Gentechnik-Expertin
bei Greenpeace. "Wenn die Regierung jetzt den Konsens
mit der Industrie ueber die Interessen der Verbraucher
stellt, ist der Neuanfang in der Landwirtschaftspolitik
zum Scheitern verurteilt. Der Bundeskanzler muss
entscheiden, ob er Politik fuer die Industrie oder fuer
die Verbraucher macht."
Greenpeace fordert dagegen, den geplanten
grossflaechigen Anbau genveraenderter Pflanzen nicht
zuzulassen, da die oekologischen und gesundheitlichen
Risiken unkalkulierbar sind. Ueber Pollenflug koennen
genmanipulierte Pflanzen benachbarte Felder
verunreinigen. Manipulierte Gene koennen sich so
unkontrolliert verbreiten. Voraussichtlich wird sogar
die Ernte der Versuchsfelder zu Tierfutter verarbeitet.
Es ist auch nicht auszuschliessen, dass sie in
Lebensmittel gelangt. Die Mehrheit der Bevoelkerung
lehnt Gentechnik im Essen nach wie vor ab.
"Die BSE-Krise zeigt, dass man Gefahren fuer den
Verbraucher fruehzeitig vermeiden muss. Wenn die
Regierung nun vordergruendig von oekologischer
Landwirtschaft redet, aber gleichzeitig die Gentechnik
auf den Acker laesst, dann hat sie nichts aus der Krise
gelernt", erklaert Toewe. "Wer mehr Forschung will,
muss die ungeloesten Sicherheitsfragen zuerst im Labor
klaeren. Die Forschung zeigt, dass wir ueber die
komplexen Wirkungen von Genen einfach zu wenig wissen."
Sogar der Praesident des Deutschen Bauernverbandes,
Gerd Sonnleitner, hat sich vergangenen Mittwoch auf der
Gruenen Woche in Berlin dagegen ausgesprochen,
gentechnisch veraenderte Nahrungsmittel einzufuehren.
Man muesse Ruecksicht auf die Verbraucher nehmen.
Achtung Redaktionen: Rueckfragen bitte an die
Gentechnik-Experten Stephanie Toewe, Tel. 0171-8780
844, Christoph Then, Tel. 0171-8780 832, und
Pressesprecher Michael Hopf, Tel. 040-8780 835.
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