Presseerklärung vom 24. Januar 2001

Kein Konsens bei Gen-Pflanzen
Greenpeace-Recherche: Trotzdem zwei Gen-Mais-Sorten zugelassen


Hamburg, 24.1.2001 - Greenpeace begruesst die
Entscheidung von Bundeskanzler Schroeder, den Anbau
genmanipulierter Pflanzen in Deutschland nicht
voranzutreiben. Die fuer Donnerstag geplanten
Gespraeche mit der Industrie ueber ein gemeinsames
Gentechnik-Programm wurden abgesagt. Nach Recherchen
von Greenpeace ist in diesem Jahr trotzdem mit dem
grossflaechigen Anbau genmanipulierter Pflanzen zu
rechnen: Fuer mindestens zwei Gen-Mais-Sorten liegen
bereits Sonderzulassungen des Bundessortenamtes vor.
Greenpeace fordert, angesichts der breiten Ablehnung
der Bevoelkerung von Gentechnik in Lebensmitteln das
Saatgut nicht zu verkaufen und den Anbau zu stoppen.

Die Zulassung erlaubt den Firmen, jeweils zehn Tonnen
des genmanipulierten Saatgutes an die Landwirte zu
verkaufen. Es handelt sich dabei um Maissorten, die
gegen Pflanzenschutzmittel resistent sind und in die
ein Insektengift eingebaut wurde.

"Die Regierung hat zwar erkannt, dass die Interessen
der Verbraucher vorgehen", sagt Christoph Then,
Gentechnik-Experte bei Greenpeace. "Jetzt muss sie aber
nicht nur bei BSE, sondern auch bei der Gentechnik mehr
Umwelt- und Verbraucherschutz durchsetzen. Daher darf
es keinen kommerziellen Anbau von genmanipulierten
Pflanzen geben. Gentechnik in Lebensmitteln und auf dem
Acker ist nicht konsensfaehig. Das zeigen Umfragen in
Europa genauso wie die oeffentliche Diskussion in den
USA."

Eigentlich sollte morgen das Ergebnis der Verhandlungen
fuer ein dreijaehriges Forschungsprogramm fuer
genmanipulierte Pflanzen praesentiert werden. Im Rahmen
der Regierungsgespraeche sollte sich die Industrie dazu
verpflichten, Gen-Pflanzen nur im Rahmen dieses
Forschungsprogrammes anzubauen. Dafuer sollte die
Regierung den Konzernen grossflaechige Anbauflaechen
einraeumen. Zusaetzlich wollte die Regierung die
Markteinfuehrung genmanipulierter Produkte
unterstuetzen.

Jetzt zog die Regierung die Notbremse: Sie befuerchtet,
dass die Verbraucher wegen der BSE-Krise derzeit einen
Konsens mit der Gentechnik-Industrie ablehnen wuerden.
Die Neuverteilung der Aufgaben zwischen den
zustaendigen Ministerien verschaerft offensichtlich die
Probleme der Bundesregierung: Das Ministerium fuer
Verbraucherschutz und Landwirtschaft soll in Zukunft
fuer den Bereich Gentechnik und Lebensmittel
federfuehrend sein. Doch fuer die Zulassung
genmanipulierter Pflanzen soll das
Gesundsheitsministerium zustaendig bleiben, das die
Einfuehrung der Gentechnik unterstuetzen will.

"Die neue Initiative zum Verbraucherschutz darf nicht
durch einen Fehlstart beschaedigt werden. Mit dieser
Verteilung der Aufgaben zwischen den Ministerien wird
aber genau das passieren. Die Regierung muss erkennen,
dass sie sich unter diesen Bedingungen mit der
Gentechnik ein aehnliches Problem einhandeln koennte,
wie mit der BSE-Krise", erklaert Then.


Achtung Redaktionen: Rueckfragen bitte an die
Gentechnik-Experten Christoph Then, Tel. 040-30618-395,
und Pressesprecher Michael Hopf, Tel. 040-30618-345.
Internet: www.greenpeace.de 


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