Ausschreitungen in Zürich - Kritik an Polizeieinsatz in Davos
Deutsche Presse-Agentur
Sonntag, 28. Januar 2001 11:03:00
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Ausschreitungen in Zürich - Kritik an Polizeieinsatz in Davos
Zürich/Davos (dpa) - Nach der durch massiven Polizeieinsatz in
Davos verhinderten Demonstration von Globalisierungsgegnern ist es am
Samstagabend in Zürich zu schweren Ausschreitungen gekommen. Rund 1
000 Demonstranten zogen randalierend durch das Bahnhofsviertel. Sie
steckten Autos und Container in Brand, schlugen Schaufensterscheiben
und attackierten Ordnungskräfte mit Steinen. Drei Polizisten wurden
leicht verletzt. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Tränengas und
Gummigeschosse ein, um die Demonstranten auseinander zu treiben. 100
militante Demonstranten wurden nach Angaben der Polizei festgenommen.
Sie schätzte den Sachschaden auf mehrere hunderttausend Franken.
Die Globalisierungsgegner hatten zuvor vergeblich versucht, nach
Davos vorzudringen. Sie wollten in dem Graubündner Wintersportort
gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) protestieren, die Tagung von
rund 3 000 Wirtschaftsbossen, Politikern und Wissenschaftlern, die
über Chancen und negative Auswirkungen der Globalisierung
debattieren. Ein Großaufgebot von Polizei und Armee hatte den Ort auf
1 560 Metern Höhe aber praktisch abgeriegelt.
Der massive Einsatz der Sicherheitskräfte stieß in Davos auf
Kritik. Vertreter von Umwelt- und Menschenrechtsgruppen, die das WEF
zu den Beratungen eingeladen hatte, drohten, Davos aus Protest zu
verlassen. Die Schweiz habe den Bogen überspannt, sagte der Gentech-
Kritiker Jeremy Rifkin. Der Graubündner Abgeordnete Andrea Hämmerle
wollte "den unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei" im Parlament in
Bern zur Sprache bringen.
Die Polizei zeigte sich dagegen zufrieden, ebenso
Wirtschaftsminister Pascal Couchepin. "Wenn wir nicht so einen
Aufwand betrieben hätten, wäre es vielleicht schlimm geworden", sagte
er in Davos. Bei der größten Polizeiaktion, die die Schweiz je
gesehen hat, waren Hundertschaften aus allen Landesteilen im Einsatz.
In Davos standen vor jedem Hotel Polizisten mit aus Bast geflochtenen
Schutzschilden Wache. Um in ihre Suiten zu kommen, mussten die WEF-
Teilnehmer teilweise unterirdische Gänge benutzen. An den zahlreichen
Straßensperren standen Polizisten im Kampfanzug mit Gewehren und
Gummigeschossen. An mehreren Straßenkreuzungen waren Wasserwerfer
aufgefahren. Gepanzerte Jeeps blockierten die Straßen.
Nur 200 Demonstranten schafften es am Samstag, in den 13 000-
Einwohner-Ort vorzudringen. Sie wurden von der Polizei in
Bahnhofsnähe sofort eingekesselt und mit Wasserwerfern auf Distanz
gehalten. Das Kongresszentrum war mit mehreren Straßenblockaden,
Stacheldraht und meterhohen Gittern wie eine Festung gesichert.
Die Demonstranten skandierten Slogans gegen das WEF, dessen
Mitglieder die Globalisierung ihrer Ansicht nach ohne Rücksicht auf
Menschen und Umwelt vorantreiben. Die Polizei forderte sie per
Megafon zur Umkehr auf. Der Antrag auf eine Demonstrationsbewilligung
war vergangene Woche abgelehnt word"n. Die WEF-Gegner zogen nach
eineinhalb Stunden friedlich in Richtung Bahnhof ab.
In Landquart, rund 60 Kilometer vor Davos, hatten Hundertschaften
der Polizei die meisten Demonstranten bereits abgefangen. Züge wurden
gestoppt, Busse und Autos angehalten. Mehrere hundert WEF-Gegner
besetzten daraufhin aus Protest die Schienen und die Autobahn A 3.
Der Verkehr wurde für drei Stunden unterbrochen. Als einige Militante
mit Schlagstöcken auf die Polizei losgingen, setzte sie Tränengas
ein. Auch am italienisch-schweizerischen Grenzübergang in Chiasso
wurden 40 Gegner des Weltwirtschaftsforums (WEF) mit Barrikaden und
Wasserwerfern aufgehalten. Mehrere Busse, die Demonstranten aus
Deutschland nach Davos bringen wollten, wurden in Basel gestoppt.
dpa oe xx gm