Presseerklärung vom 31. Januar 2001
Nach Ende der Konsensgespraeche:
Industrie macht Rueckzieher bei Gen-Saatgut
Hamburg, 31.1.2001 - Aufgrund der BSE-Krise und der
Verunsicherung der Verbraucher wird die
Kleinwanzlebener Saatzucht GmbH (KWS) aus Niedersachsen
dieses Jahr auf den Verkauf von gentechnisch
veraendertem Saatgut in Deutschland verzichten. Ein
Sprecher von KWS bestaetigte dies heute vormittag
gegenueber Greenpeace. KWS ist bisher die einzige
Firma, die in Deutschland Sonderzulassungen fuer
genmanipuliertes Saatgut erhalten hatte.
KWS wollte in diesem Jahr jeweils 10 Tonnen Saatgut von
zwei gentechnisch veraenderten Maissorten, die
Resistenzen gegen Pflanzenvernichtungsmittel und ein
insektenwirksames Gift enthalten, an Landwirte
verkaufen. Diese Saatgutmenge entspricht einer
Anbauflaeche von etwa 800 Hektar. Die Sonderzulassungen
wurden vom Bundessortenamt unabhaengig von den
Konsensgespraechen erteilt, die die Bundesregierung mit
der Gentechnik-Industrie gefuehrt hat. Aufgrund der
Verbraucherstimmung hatte Bundeskanzler Schroeder die
Konsensgespraeche letzte Woche abgesagt.
"Wir begruessen die Ankuendigung von KWS", sagt
Stephanie Toewe, Gentechnik-Expertin bei Greenpeace.
"Wir erwarten jetzt von den anderen Firmen, die sich um
Zulassungen fuer den kommerziellen Anbau von
genmanipuliertem Saatgut bemuehen, dass sie auf den
Verkauf verzichten. Angesichts des ungeklaerten Risikos
waere ein grossflaechiger Anbau dieser Pflanzen
unverantwortlich."
Auch andere Firmen wie Syngenta (ehemals Novartis) und
Monsanto haben sich in den vergangenen Jahren bereits
um Zulassungen bemueht. Das Argument, dass die Firmen
bei diesen Freisetzungen Risiken erforschen wollen,
haelt Greenpeace fuer nicht glaubhaft. Trotz mehrfacher
Ankuendigung ist beispielsweise Syngenta nicht bereit,
die Ergebnisse ihrer Begleitforschung zum Anbau der
genmanipulierten Pflanzen zu veroeffentlichen.
"Seit einem Jahr ist Syngenta nicht in der Lage, uns
die Ergebnisse ihrer Forschung mitzuteilen, die sie
angeblich in den letzten Jahren durchgefuehrt hat. Wir
vermuten, dass das Unternehmen die Gefahren seiner
Gen-Pflanzen gar nicht ernsthaft erforscht", erklaert
Toewe.
Trotz der Ankuendigung von KWS ist die Gefahr von
Freisetzungen genmanipulierter Pflanzen nicht
beseitigt. Auch dieses Jahr werden in Deutschland weit
ueber 100 experimentelle, nicht kommerzielle
Freisetzungen stattfinden. Auch KWS hat sich diese
Moeglichkeit fuer ihr Saatgut offen gehalten.
Moeglicherweise werde Saatgut auf Nachfrage fuer
Forschungszwecke abgegeben, sagt KWS.
Achtung Redaktionen: Rueckfragen bitte an Stephanie
Toewe, Tel. 040-30618-339, und Pressesprecher Michael
Hopf, Tel. 040-30618-345. Internet: www.greenpeace.de