Rüttgers warnt Pharma-Industrie vor weiterem Forschungsverzicht
Bonn (dpa) - Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) hat die Pharma-Industrie vor einer weiteren Einschränkung ihrer Forschungsaktivitäten in Deutschland gewarnt. Schon heute fänden 4 000 diplomierte Chemiker keinen Arbeitsplatz in der deutschen Industrie. Das sei ein schlechtes Signal auch für die chemische Industrie, meinte Rüttgers am Donnerstag anläßlich der Mitgliederversammlung des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller in Bonn.
In der Pharma-Industrie gebe es Alarmsignale für eine schwindende internationale Wettbewerbsfähigkeit, erläuterte Rüttgers. Der Anteil der in Deutschland entwickelten neuen chemischen Wirkstoffe auf dem Weltmarkt sei seit den 80er Jahren kontinuierlich gesunken. Experten gingen für die kommenden Jahre von einem reduzierten Wachstum aus. Dennoch seien die Ausgangsbedingungen insgesamt gut. Dazu müsse jetzt Unternehmergeist kommen. Auch sollten Forschungsergebnisse schneller in Produkte umgesetzt werden.
Rüttgers sagte, die Gentechnik finde in Deutschland inzwischen Rahmenbedingungen von europäischem Spitzenniveau vor. Ab Februar bräuchten Industrieanlagen zur Entwicklung und Erprobung neuer Produkte in diesem Bereich keine Genehmigung mehr. Kleine Forschungslabors müßten nicht mehr den gleichen aufwendigen Genehmigungsverfahren genügen wie große Anlagen. Die Pharma-Industrie sei nicht mehr darauf angewiesen, sich den Zugang zur Grundlagenforschung über ausländische Institutionen zu erkaufen. dpa bs rm