Greenpeace: Nestlé muß auf Gentechnik in Lebensmitteln verzichten!
Frankfurt, 28. Januar 1997. Greenpeace demonstriert heute vor der Zentrale der Nestlé Deutschland AG gegen den Einsatz von gentechnisch manipulierter Soja in Lebensmitteln. 20 Umweltschützer haben vor dem Firmengebäude des Nahrungsmittelkonzerns ein Banner aufgestellt, auf dem steht "Hat's Nuts? - Schiebt Nestlé einen Riegel vor - Keine Gentechnik ins Essen!"
Vor den Eingang haben sie Einkaufswagen voller Nestlé-Produkte gerollt. Auch in Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, Schweiz, Tschechien und weiteren europäischen Ländern demonstrieren Greenpeace-Aktivisten heute vor den Zentralen großer Lebensmittelhersteller gegen die Verarbeitung von Gen-Soja in Lebensmitteln.
"Nestle Deutschland kann den Verbrauchern nicht garantieren, daß in Nestlé-Produkten keine gentechnisch veränderte Soja enthalten ist", kritisiert Greenpeace-Gentechnik-Expertin Dieke Bobbink. Zwar hat die deutsche Nestlé-Zentrale mehrfach erklärt, "zur Zeit" keine Gentechnik in ihren Produkten zu verarbeiten. Doch in Wirklichkeit hat der deutsche Verbraucher keinerlei Kontrolle, ob die Nestlé-Produkte, die er im Supermarkt kauft, gentechnisch manipuliert sind oder nicht.
Denn Nestlé Deutschland verschweigt, daß zahlreiche hierzulande verkaufte Produkte im Ausland hergestellt wurden. So wurden zum Beispiel die Nestlé-Artikel Nuts, Lions, Nestlé Crunch, Baci oder Quality Street nicht in Deutschland hergestellt. "Und da weiß niemand, ob Gen-Soja verarbeitet wurde oder nicht. Die ausländischen Nestlé-Zentralen haben sich bisher nicht gegen den Einsatz genmanipulierter Soja ausgesprochen. Doch die deutsche Nestlé hält es nicht für nötig, die Verbraucher darüber aufzuklären", kritisiert Dieke Bobbink.
Der Chef von Nestlé International, Helmut Maucher, hat die Linie des Unternehmens klar vorgegeben. "Gentechnologie ist wichtig, dazu stehen wir. Nestlé wird weltweit nicht darauf verzichten - auch in Deutschland nicht. Darauf können Sie sich verlassen", sagte Maucher dem "Stern" im vergangenen November.
Umfragen beweisen, daß die Verbraucher keine Gentechnik im Essen wollen. "Wenn Nestle die Verbraucher nicht aufklärt, dann müssen wir das tun - insbesondere, weil Gensoja-Produkte nicht gekennzeichnet werden", sagt Dieke Bobbink. Greenpeace fordert die Geschäftsführung von Nestlé Deutschland auf, sich eindeutig und ohne Vorbehalte gegen den Einsatz von Gentechnik in Nestlé-Lebensmitteln auszusprechen.
In den letzten Monaten hatte sich Greenpeace gemeinsam mit dem BUND und den Verbraucherzentralen gegen die Einführung der genmanipulierten Soja gewehrt. Die Bohnen wurden vom US-Chemiekonzern Monsanto gegen das hauseigene Pflanzengift Roundup resistent gemacht. Greenpeace sieht in der Anpassung von Nutzpflanzen an chemische Gifte einen gefährlichen Irrweg in der Landwirtschaft, der Artenvielfalt und Ökosysteme bedroht. Zudem sind gesundheitliche Risiken nicht ausgeschlossen. Ende